Morbus Adapterus Nikonus

Ein etwas anderer Anblick: GFX 50R mit Micro- Nikkor 1:4/105mm

Weil ein Nikon- Kleinbildsystem schon im Haus ist, liegt es natürlich nahe, weitere Objektive anzutesten, die schon im Hause sind. Anderes, das man noch nicht hat und das interessant ist, kann man auch gebraucht nachkaufen und gleichzeitig mit beiden vorhandenen Systemen testen und, wenn es passt, an beiden Systemen nutzen. Versuche an kleineren Kameras sind unnötig: Die Ausleuchtung funktioniert immer und man nutzt immer den „Sweet Spot“ im Zentrum des Bildkreises.

Man kann hier auch schon ein bisschen eingrenzen:

Bisher habe ich, abgesehen vom 4/28 Shiftobjektiv, vier weitere Objektive mal an die GFX gesetzt, um zu sehen, ob damit etwas zu machen ist. Da waren ein Nikkor 35-105, ein 4/80-200 und ein Tokina 2,8/60-120.

Ich kann zumindest für die drei Zoomobjektive sagen, dass es ohne Vignettierungen nicht funktioniert.

Mit dem vierten Objektiv hatte ich mehr Erfolg. Es handelt sich um ein altes Micro- Nikkor 1:4/105 aus den späten 1970er Jahren, das in erster Linie an der D600 seinen Dienst tut und auch für meine Ebayfotos herhält.

Pentax 645. An den Bildrändern kann man das Problem sehr schön erkennen. Aufnahmeentfernung ca. 0,8m, Blende 22.

Wenn man aber denkt, dass der darstellbare Bildkreis und das, was der Linsensatz eventuell leisten kann, in einem Zusammenhang miteinander stehen, irrt an genau dieser Stelle. Dieses Objektiv ist eine klasssiche starre Konstruktion, wie man sie von den meisten Festbrennweiten oder Großformatobjektiven kennt. Es wird immer der ganze Linsensatz hin- oder herbewegt, wenn fokussiert wird. Wenn man dann will, dass die Strahlen auch einen gewissen Bildwinkel auszeichnen, der im Mittelformat natürlich größer sein muss als im Kleinbildformat, wird klar, woran das bei dieser Linse liegt: Der Innentubus ist mit seinen 25-30mm Durchmesser schlicht zu klein. Mit dem Bildkreisdurchmesser, der mit zunehmendem Abstand Hinterlinse -> Sensor größer wird, passt es aufgrund der Röhre, also dem inneren Tubus, nicht. Im Gegensatz zum 35-105 kann man den auch nicht einfach mal ausbauen. Auf der anderen Seite kann man damit aber durchaus ab 1,5-1,7 Metern Distanz an vignettierungsfreie Bilder kommen. Als Portraitoptik ist es daher interessant.

Pentax 645. An den Bildrändern wird das Problem allmählich kleiner. Die Aufnmahmeentfernung lag bei etwa 1,2m, die Blende bei 22.

Probiert habe ich es auch mal mit dem erwähnten Ausbau der Rückblende meines manuellen 35-105. Dazu löst man drei Schrauben; dann kann man die Blende herausziehen. Das hat zumindest bei der längsten Brennweite funktioniert, während es bei allem unter etwa 100mm fröhlich weiter vignettierte. Das Objektiv ist damit eindeutig als nicht- mittelformattauglich identifiziert. In dieser Form wäre mit der GFX sehr interessant gewesen, zu wissen, ob das Objetiv die 50MP auch scharfzeichnen kann. Probiert habe ich es allerdings schon mal an einer D600, für die es nicht reicht. Hätte es gepasst, was natürlich illusorisch ist, wäre es meine neue Rucksack- und Flugzeuglinse für die GFX geworden. Mit KB- Film in meiner FM2 wird es aber seinen Dienst tun. Dafür ist es schließlich gemacht. Ich hatte schon schlechteres.

Die Schrauben des schwarzen Rings lösen und dann die gesamte Röhre entfernen.

Im Nachgang:

Es ist mir sehr wichtig, darauf hinzuweisen, dass es sich hier um einen Versuch ohne wissenschaftlichen Anspruch handelt. Ich war in erster Linie neugierig. Wer z.B. mit den Vignettierungen des Makros leben kann, weil er oder sie die Ecken irgendwie nicht braucht, kann natürlich damit arbeiten. Das Objektiv ist allerdings etwas kontrastschwach, was man aber in der Nachbearbeitung kompensieren kann.

Ich für meinen Fall werde mir in der nächsten Zeit noch ein Leitz- Elmarit ansehen. Und wenn es damit auch nicht wirklich gut geht, hänge ich es an die D600.

Ich werde mich bei meiner Adaptiererei auf meine vorhandenen Pentax- und Pentaconsix- Objektive stützen. Das erscheint mir sinnvoller. Einmal sind sie auch hier und zum anderen brauche ich eine Lösung zur Schärfeebenenverlagerung, also einen Adapter, mit dem man auch shiften und tilten kann. Und das geht nur, wenn der Bildkreis mehr als die mindestens 55mm misst, die man für die GFX oder auch eine digitale 645er Pentax braucht. Das geht aber erst weiter, wenn mein Adapterkit vollständig ist.

Im Mittelformat finde ich das immer; in Kleinbild in der Praxis wohl nur bei Shiftobjektiven, abgesehen von einigen Ausnahmen von Sigma und Canon und ein paar Zeiss- Linsen, deren Preise aber jenseits von gut und böse anzusiedeln sind und die ich für meinen Bedarf nicht brauche.

Auch das wurde ja schon erwähnt: Das 28er Shift habe ich nicht für die GFX gekauft, um es zu verstellen.

Technik: Die Bilder wurden mit einer Nikon D600 gemacht. Weil es Nahaufnahmen sind, meistens mit Blenden um 16-22 herum und bei ISO 100. Studioblitz. Nacharbeit mit Corel Paintshop Pro Ultimate 2020. Bei Einzelaufnahmen ist das einfacher für mich.