
Winter, Winter, Winter. Und Schnee. Es ist ein seltenes Bild, das man hier zu sehen bekommt. Das letzte Mal, dass wir das in den aktuellen Mengen hatten, war Anno 2010. Da war es allerdings noch ein bisschen kälter. Wie so oft in solchen Fällen, hatte ich Spät- und Nachtdienst und daher nicht wirklich Gelegenheit für eine kleine Exkursion in die Umgebung.
Folglich gibt es davon bei mir keine Fotos, weil es für mich schlicht nicht machbar war. Obwohl: Ein paar Fragmente gibt es davon noch zu sehen. Aber wir hatten halt massives Tauwetter.
Ein paar Tage später allerdings hatte ich frei und ein bisschen Zeit, um rauszugehen und mich ein bisschen mit meinem 2,8/180er für die Pentaconsix zu befassen.

Ich bin immer noch am Testen und man sollte die gesamte Sache eher kritisch betrachten, wenn es um die Qualität so alter Objektive geht, die zudem noch von Kameras stammen, die nicht unbedingt für den professionellen Einsatz geeignet sind(Man kann sie immerhin noch gebraucht erwerben). Die Probleme der Pentaconsix sollten bekannt sein: Da ist einmal die schlechte Planage des Films, die die Qualitäten der Linsen nicht so recht zu Geltung kommen lässt und dann haben wir noch ein Problem mit der Winterfestigkeit dieser Kameras, deren Verschluss sich bei niedrigen Temperaturen einfach „aufhängt“. Meines Wissens soll auch der Filmtransport der Kamera anfällig sein, wenn man den Transporthebel ein bisschen zu rauhbeinig bedient. Defekte waren demnach bei dieser Kamera vorprogrammiert.
Was sich allerdings bisher gezeigt hat, ist dass viele dieser Objektive sehr viel besser sind als die Kamera. Zumindest für das 120, das 50 und das 80er von Schneider trifft das zu. Man kann sich um das Problem auch einbisschen herumarbeiten, wenn man zu der russischen Version dieser Kamera greift, die verlässlicher funktioniert. Wenn es denn Film sein soll und die Originalität der Kamera nötig erscheint. Schröttelne klassische Ostlockprodukte bleiben diese Kameras aber trotzdem. Das gilt so auch für die Exakta 66, die aus der Pentaconsix hervorgegangen ist. Wer im Mittelformat mit Film arbeiten will, sollte daher noch etwas anderes im Schrank haben. Japanische Kameras wie Bronica, Mamiya oder Pentax wären da interessante Kandidaten, wenn man mehr als ein Objektiv einsetzen will. Soll es Mechanik werden, ist eine 500er Hasselblad die erste Wahl; dann allerdings mit den Gläsern aus Oberkochen, die mindestens nicht schlechter sein sollten. Eine Rolleiflex SL66 kann man noch in Erwägung ziehen; allerdings sind diese Kameras selten und Zubehör dafür sollte es noch mehr sein. Soll nur mit einem Objektiv gearbeitet werden, bevorzugt im Bereich um 80mm herum, gibt es immer noch den No- Brainer mit dem Namen Rolleiflex.

Jetzt aber zurück zum Heavy Metal. Wer das Objektiv schon mal in den Händen hatte, dürfte mehrere Dinge erkennen:
- Die Linse ist ein ziemlicher Trumm.
- Schwer ist sie auch; etwa 1Kg.
- Natürlich muss man das gute Stück adaptieren.
Und da fangen die Probleme an. Einmal ist das Handling der Kamera mit der Linse schwierig, wenn man damit aus der Hand fotografieren will. Der Adapter selbst verlängert die Gesamtkonstruktion um einige Zentimeter; ein bisschen was wiegt der auch und dann ist der Linsensatz des Objektivs eher das Gegenteil modernen Leichtbaus. Das macht es eigentlich „stativpflichtig“. Man kann die Kombination halt nur schwer in der Hand halten.
Dann haben wir den Adapter; in meinem Fall ist das ein T/S- Adapter von Kipon, der auch eine Schwäche hat, die sich bisher nicht gezeigt hat: Das Objektiv ist zu schwer für den Kipon; der Adapter wackelt deshalb etwas. Für die immer noch wichtige Planlage des Bildes(Was senkrecht im Bild steht, muss auch senkrecht auf dem Sensor ankommen.) ist das nicht gut. Das bedeutet, dass es für meinen Geschmack zumindest in dieser Konstellation zu sehr vom Zufall abhängt, ob die Bilder scharf werden. Interessant ist auch die Beobachtung, dass die Bilder im Hochformat mit höherer Wahrscheinlichkeit scharf werden und im Querformat eigentlich nur sehr selten. Mit anderen Worten: So wie es ist, taugt das nicht. Eine andere Lösung muss her. Ein Versuch, den ich mit meiner 50R gefahren hatte, zeigte bereits ein ähnliches Bild. Auch da wurde es desöfteren nicht scharf. Und auch dort war es dem Zufall überlassen, ob etwas daraus wurde oder nicht. Am Objektiv selbst lag es aber nicht; die Bilder waren gut, wenn es gerade passte.
Zudem ist zumindest mein Objektiv, bei dem es sich noch um eine Version aus der „Zebra- Reihe“ mangels Mehrschichtvergütung etwas kontrastschwach. Das ist korrigierbar. Wichtiger ist, dass es scharf wird.

Der Fehler liegt wahrscheinlich in meinem ursprünglichen Konzept, in dem vorgesehen war, möglichst alle adaptierten Objektive im Rucksack shift- und tilttauglich zu haben. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass das für meinen Bedarf nicht unbedingt notwendig ist; mit dem 120er Biometar komme ich in dieser Hinsicht als längste Brennweite eigentlich zurecht. Damit haben wir dann einen Ansatz, mit dem das Ganze funktionieren sollte: Der Adapter muss bei kopflastigen und/oder schweren Gläsern auf jeden Fall starr sein. Soweit meine momentane Einschätzung.

Einen anderen Adapter werde ich in absehbarer Zeit bestellen und dann das Ganze noch einmal testen. Sicher sind die Ergebnisse daher nicht; meines Wissens sind diese Objektive sehr kompliziert zu justieren und ich kenne nur deren Vorleben aus den letzten 30 Jahren. Was die anderen rund 25 Jahre damit veranstaltet worden ist oder ob es schon mal zerlegt gewesen ist, ist nicht bekannt. Ein steiferer Adapter wird ohnehin fällig, weil ich mir auch noch ein 300er aus dieser Baureihe beschaffen will. Sollte das 180er auch damit nicht funktionieren, werde ich es durch ein neueres Objektiv ersetzen. Vielelicht wird das auch eines von Schneider. Mal sehen, was mir noch so zufliegt.
Zur Technik: Soweit nicht anders erwähnt, sind die Bilder mit Fujis GFX 100S entstanden. Nacharbeit wie verkleinern und Anpassung der Kontraste in Capture One.