Mal wieder draußen, und endlich einen Kipon T/S-Adapter

Das lange Gesuchte: Ein Kipon- Adapter an der GFX 50R, hier mit einem SMC Pentax A 645 3,5/35mm. Handyfoto. Aufgeppt mit Paintshop Pro.

Es ist manchmal eine schwierige Angelegenheit, zu einem Shift-/Tiltadapter zu kommen. Der eine redet sich mit technischen Problemen in der Fertigung heraus, weil er nicht liefern kann oder will und etliche andere bieten ihn zwar an, haben den Adapter aber nicht am Lager. Die angegebenen Lieferzeiten liegen dann zwischen einem und drei Monaten. Einfacher ist das bei den starren Modellen, die man praktisch immer beschaffen kann.

Eine Draufsicht. Auch hier kann man noch erkennen, worum es geht. Handyfoto. Verschönert mit Paintshop Pro.

Ich kann nur Vermutungen anstellen, aber es ist durchaus möglich, dass die Händler sich das Teil nicht ins Regal legen, weil es nicht allzu oft abgesetzt wird. Man kann sich das so vorstellen: Es werden bei einem Händler schon mal die desöfteren von mir kolportierten drei bis vier Mittelformatkameras im Jahr verkauft. Nun kann man davon ausgehen, dass davon vielleicht jeder Zehnte überhaupt adaptieren will und von denen vielleicht jeder zweite einen T/S- Adapter sucht oder braucht. Dann kann ein großer Händler von diesen Adaptern vielleicht alle 2,5 Jahre einen verkaufen. Noch Fragen?

Im Klartext: ich habe sehr wahrscheinlich den gesamten deutschen 2019er Dezember- Bestand an TS- Adaptern von Kipon aufgekauft, die man kameraseitig an eine Fujifilm GFX50 anschließen kann und die über ein Pentax 645er- Objektivbajonett verfügen: Es war genau ein Exemplar…

Damit wird deutlich, dass diese Bauteile selten sind. Das hat natürlich auch Ursachen. Eine davon und die Hauptursache ist, dass digitale Mittelformater nicht sehr verbreitet sind und dass Kameras wie die von Fuji vermutlich noch seltener sind als die H- Modelle von Hasselblad, die es schon seit knapp 20 Jahren gibt.

Endlich darf das auch mal raus. GFX 50R mit Kipon T/S- Adapter und einem Zeiss Jena Flektogon 4/50mm, das zu einem Pentaconsix- Kit gehört. Hier mit Maximalverschiebung. Aufgenommen mit einer Sony RX100 MkIII.

Nachdem sich unter den Kleinbildobjektiven praktisch nur Shiftobjektive als problemlos für das Mittelformat geeignet gezeigt haben und sich zumindest bei meinen Versuchen nur Mittelformatobjektive als wirklich shift- und tilttauglich erwiesen, liegt der Fokus natürlich auf letzteren. Immerhin liegt noch einiges davon in meinem Lager. Vor allem Pentax 645 und 67-, Pentaconsix- und Hasselblad V- Objektive sind wegen ihrer guten Qualität interessant für dieses Unterfangen. Mamiya sollte genauso gut sein; ich hatte vor langen Jahren kurze Zeit eine 645, deren Handling mir aber nicht zusagte. Ich habe neben der gezeigten Pentacon- Linse noch weitere Objektive für das System und zusätzlich einige für das Pentax 645- System in meinen Schubladen. Damit sollte der Grund für das Pentax- Bajonett erklärt sein: Die Pentax Optiken passen direkt an den Adapter und die Pentaconsix- Linsen kann man mit einem Kiew- Adapter ohne weiteres an das Kipon- Bauteil adaptieren, weil das Auflagemaß der Pentaconsix ein paar Millimeter größer ist. Zudem ist bei Pentacon mit dem 50er das kürzeste Ende bereits erreicht. Unter den alten Hasselblad- Linsen ist das Distagon 4/40 die kürzeste Brennweite, die ich finden konnte. Auf meiner Wunschliste steht aber mindestens 28mm Kleinbild- äquivalent und schon muss anderes her; bei mir wurde es also das bereits vorhandene SMC-A 645 3,5/35 für das Pentax 645- System.

Auch hier mit der GFX 50R und dem Zeiss Flektogon 4/50. 1/8tel Sek. bei Bl. 11.

Der Grund für die genannten Linsen liegt im Bildkreisdurchmesser, der mindestens der Bilddiagonale entsprechen muss, um zumindest unverstellt Vignettierungen und ungewollte Randunschärfen zu vermeiden. Deshalb kann man z.B: das in einem früheren Artikel beschriebene Shift- Nikkor durchaus als starres Objektiv verwenden, es aber praktisch nicht mehr verstellen. Immerhin ist es an der GFX ein gutes und äußerst preiswertes Weitwinkel. Es ist wichtig zu wissen, dass ich hierbei schon bei der Aufnahme auf gute Qualität abziele. Je weniger nachgearbeitet werden muss, desto besser wird am Ende die Qualität des fertigen Bildes. Das bezieht sich an dieser Stelle auch auf Dinge wie die Entzerrung von stürzenden Linien in der Software oder das Focus- Stacking, das nur mit starren Motiven anwendbar und im Freien nicht gerade praktikabel ist.

Zur Erinnerung: Die Bilddiagonale und damit der erforderliche Bildkreisdurchmesser liegt bei der Fuji GFX, wie bei allen anderen kleinen digitalen Mittelformatern auch, bei 55mm. Für Kleinbild sind das 43mm und bei 4,5×6 bei etwa 68 mm, weil das Nettoformat etwas kleiner als die Filmbreite von 60mm ist. Das bedeutet, dass man eine 4,5x6er Linse immerhin schon mal in jede Richtung sicher um mindestens 6mm aus der Achse verschieben kann. Das ist besser als nichts, aber bei den größeren 6x6er- Optiken haben wir etwa 79-80mm, die zur Verfügung stehen. Wir enden dann bei etwa 12mm als maximalen Verstellweg. Tatsächlich sind die Bildkreise manchmal noch etwas größer; wieviel das in der Realität ist, zeigt sich in der Praxis. Man muss auch wissen, dass der Bildkreis nicht, wie bei Großformatoptiken, mit der Brennweite größer wird, sondern relativ konstant bleibt. Die 13mm Weg, die man beim Kipon- Adapter zur Verfügung hat, können daher nicht immer ausgereizt werden.

Kleine Exkursion in größere Formate

Um hier noch einmal die Verhältnisse aus einem anderen Blickwinkel zu verdeutlichen: Im Großformat kann man ein typisches, relativ modernes, Sironar-N 1:5,6/150mm quer um etwa 33 mm verschieben; in der Höhe sind es 38mm, ohne dass es zu Einbußen kommt. Das ist für das 4×5″- Format gültig. Bricht man das auf die Bildhöhe um, sind das bei einem derartigen Negativ etwa 31-32% der genutzten Bildhöhe(etwa 120mm). Quer kommt man dann auf etwa 33%. Diese Werte beziehen sich in den technischen Daten immer auf Blende 16 und Fokussierung auf Unendlich; ein in diesen Formaten durchaus verbreiteter Wert, der in dieser Form aus einem Konsens heraus entstanden ist. Vergleichbarkeit ist dabei das Ziel. Werden die Blende oder die eingestellte Entfernung kleiner, geht noch etwas mehr, weil bei diesen Objektiven mit der Naheinstellung die Brennweite länger wird. Sie heißt dann nur anders; nämlich Schnittweite. Wird sie länger, wird der Bildkreis irgendwann so groß, dass man ihn nicht mehr voll ausnutzen kann, weil die Kamera nicht mehr weiter verstellt werden kann. Ein 5,6/300er Symmar an einer Laufbodenkamera ist so ein Beispiel.

Geht man jetzt mal optimistisch von den etwa 12mm Verstellweg in der Höhe aus, liegt der prozentuale Wert bei digitalen Mittelformatern wie der GFX noch darüber. Ich würde nicht sagen, dass das wenig ist; auch wenn sich einige Leute Wunder davon erhoffen. Die gibt es aber nicht. Es gibt Berechnungen der Hersteller und man muss einige Versuche durchführen, um zu sehen, was in der Praxis geht. Das kann durchaus mehr sein.

Klar ist auch, dass der Workflow mit so etwas ein anderer als mit einem beliebigen Objektiv aus dem Originalsystem ist. Meistens sieht das etwa so aus:

  • Motiv suchen.
  • Stativ aufbauen.
  • Kamera draufsetzen.
  • Objektiv mit Adapter dransetzen, wenn es nicht schon dran ist.
  • Im „geraden“ Modus einstellen.
  • Anschließend mit dem TS-Adapter nachstellen. Einschließlich der nötigen Änderung der Kameraposition.
  • Nachfokussieren.
  • Blende einstellen.
  • Auslösen.

Es wird deutlich, dass wir uns hier bereits in Richtung Großformat bewegen, wenn dieser Arbeitsweise Beachtung geschenkt wird. Für Handyknipser und eilige Mitmenschen ist das nichts. Das einzige, das man sich meistens sparen kann, ist die Belichtungsmessung. In der Regel kommt man mit der Zeitautomatik und einer eventuellen Belichtungskorrektur zurecht. Wenn es nicht sitzt, kann man eben schnell eine zweite oder dritte Aufnahme machen oder bei niedrig eingestellter Empfindlichkeit des Sensors dessen Belichtungsspielraum ausnutzen und am heimischen Rechner nacharbeiten. In früheren Zeiten gab es diese Funktionen auch schon. Damals hießen sie Polaroidfilm und Dunkelkammer…

Man ist erkennbar im Vorteil, wenn man sich schon mal mit größeren Formaten befasst und damit gearbeitet hat. Dann sind die Abläufe einfach klarer und man kann sich beim Eingewöhnen auf den Adapter konzentrieren.

Testbilder für’s Visuelle

Man hat nicht nur den Adapter, sondern auch einen gewissen Spieltrieb, der aber nur bei passendem Wetter wirklich ausgelebt werden kann. Nach Ankunft des Adapters hieß es wegen des momentan einfach zu grauen Wetters erst einmal zu warten, bis das Licht etwas ähnliches wie Kontraste aufwies, um an halbwegs lohnende Bilder zu kommen.

Stürzende Linien

Das erste Bild stellt die Situation dar, in der man sich befindet, wenn man etwas fotografieren will, dass bei einer senkrecht aufgestellten Kamera nicht mehr ins Bild passt: Man stellt die Kamera schräg und bekommt ein verzerrtes Bild, das man in der Software aber wieder entzerren kann oder muss. In der unten gezeigten Form ist das Bild nicht wirklich herzeigbar, aber ein schönes Beispiel.

Verrohrung. Aus der GFX mit einem Pentacon 4/50. Blende 8-11 bei 1/6tel Sek.

Das nächste Bild zeigt etwas anderes: Man kann das auch auf künstlichem Weg erzeugen, erkauft sich das bei einem Bild wie diesem aber schon mit 10-15% Auflösungsverlust, wenn man die Kamera verkantet. Abhilfe schafft das Verschieben des Objektivs um einige Millimeter nach oben, hier war es ein an die GFX 50R adaptiertes Zeiss Jena Flektogon 4/50, das aus dem Pentaconsix- System stammt. Diese Objektive sind für ihre Qualität bekannt; man kann sie durchaus auch kaufen, wenn man sie nicht im Regal liegen hat.

Verrohrung. In dieser Form auch schon mal mit einer Pentax 645Z gemacht. Hier aus der GFX mit einem Pentacon 4/50. Blende 8-11 bei 1/6tel Sek. Ergo: Gleiche Technische Daten wir im ersten Bild.

Wie man schön erkennen kann, sind die Verzerrungen, die eigentlich Stürzende Linien genannt werden, hier verschwunden. Ich habe die 12mm Verschiebeweg des Adapters voll ausgenutzt und konnte im Original zumindest visuell weder Vignettierungen noch Auflösungsverluste feststellen. Auch hier gilt das bereits für das obige Bild Gesagte: Gestaltung ist bei Testbildern nicht relevant.

Schärfeebene verlagern

Ein gewisser Herr Scheimpflug hat uns eine spezielle Regel zur Schärfeebenenverlagerung beschert, die sinngemäß so aussieht: Wenn man die drei verlängerten Achsen der Motiv- Bild und Objektivebene so verstellen kann, dass sie sich in einem Punkt kreuzen, kann man die Schärfeebene nicht nur in der Fläche darstellen, sondern auch in der Tiefe. Das erste Bild zeigt hier die Schärfe in der Fläche; die Blende des Flektogons war offen. Das Objektiv war etwa auf die erste Runge links im Bild fokussiert. Die eingestellte Aufnahmeentfernung lag bei etwa einem Meter.

Kokswaggon. Auch mit dem Flektogon 4/50. Bl. 4 bei 1/45stel Sek.

Beim nächsten Bild habe ich das Objektiv um 10° geschwenkt und ein bisschen nachfokussiert. Deshalb ist der Bereich links oben etwas aus der Schärfeebene herausgerückt.

Kokswaggon. Auch mit dem Flektogon 4/50. Bl. 4 bei 1/40stel Sek.

Wie man deutlich erkennen kann, ist hier wieder auf die Rungen fokussiert. Man kann schön sehen, dass sich die Schärfeebene gegenüber dem ersten Bild in die Tiefe verlagert. Und natürlich auch, dass die Ablaufbleche vorn durch das ganze Bild hindurch nicht vollständig scharf sind.

Kokswaggon. Auch mit dem Flektogon 4/50. Bl. 9bei 1/2,6stel Sek.

Beim letzten Bild wird deutlich, wie das Ganze „fertig“ aussieht: Hier gibt es immer noch die 10°- Schwenkung und zusätzlich wurde abgeblendet: Die Schärfe liegt so nicht in der Fläche wie oben und das Bild wäre sehr wahrscheinlich mit den gegebenen Aufnahmeparametern auch bei Blende 16 nicht durchgehend scharf. Zudem kommt man bei sehr hoch auflösenden Sensoren hier schon in der Bereich leichter Beugungsunschärfen, um den man sich so herumarbeiten kann.

Fazit

Wie schon öfter nicht nur von mir kolportiert, liegt der Vorteil alter Mittelformatobjektive in ihrem relativ großen Bildkreis, der das oben Gezeigte ermöglicht. Bei einer Kamera mit einem kleinen Sensor wie den MFT- Modellen braucht man so etwas nicht; man handelt sich aber andere systembedingte Stärken und Schwächen ein. Das liegt allerdings am im Mittelformat relativ großen Abbildungsmaßstab, der zu geringerer Schärfentiefe führt. Mit Kleinbildoptiken erscheint mir das zumindest in den von mir meistens genutzten Aufnahmeentfernungen zwischen einem Meter und Unendlich ebenfalls als nicht erreichbar. Der Bildkreis ist normalerweise schon für die Verwendung als starres Glas zu klein; Verstellreserven hat man nur, wenn dieser ausreichend groß ist.

Wichtig ist auch, zu wissen, dass man vor allem die Pentaconsix- Linsen zwar für sehr wenig Geld haben kann, aber auch, dass der Kipon- Adapter wegen seiner Seltenheit und der geringen Anzahl zirkulierender Mittelformatkameras relativ schwer zu beschaffen und relativ teuer ist. Ich habe knapp drei Monate gebraucht, bis ich einen Adapter auftreiben konnte. Man muss mit etwa 670 Euro in der Pentax 645- Version rechnen und braucht in dieser Form auch noch einen Adapter, mit dem man die Pentacon- Linsen an diesen Adapter ansetzen kann. Der kommt aus der Ukraine und schlägt noch einmal mit etwa 40 Euro zu Buche. Ein Kauf ist also nur sinnvoll, wenn man dafür auch einen konkreten Verwendungszweck hat. Auf der anderen Seite: Im Mittelformat so zu arbeiten, hat auch seine Reize…

Auch mit verstellter Schärfeebene, hier als Fertigversion. 50R mit Flektogon 4/50. 1/3tel Sek bei Blende 8. Natürlich mit der 50R.

Zur Technik: Die Bilder von der Kamera und dem Adapter stammen aus einem Smartphone und einer Sony RX100. Mit irgendwas muss man sie ja machen und zur Dokumentation reicht das. Auch ich bin manchmal faul und die sieben Kilo Fototasche wiegen auch schon ein bisschen was.

Nachgearbeitet wurde in Capture One 20 und Corel Paintshop Pro: Anpassung der Kontraste, Verkleinern etc.

 

 

 

 

Morbus Adapterus Leikonus

Die GFX 50R mit einem adaptierten Shift- Nikkor 4/28mm. X-Pro 2 mit 1,4/35. Blende 16, Studioblitz, ISO 100.

Wie man ja weiß, sind Objektive für das Mittelformat recht teuer. Vor allem in Neu ist das so und bei Fuji ist das am Ende nicht anders als bei den Wettbewerbern. Wenn man im Weitwinkel ein bisschen extremer als mit den 32mm des Zooms oder der 32er Festbrennweite werden will, hat man momentan nur die Auswahl aus exakt einem 23mm- Objektiv, wenn man bei Fuji bleiben will. Verglichen mit dem Pentax- Gegenstück ist dessen Preis zwar sehr konkurrenzfähig, aber billig ist es deshalb immer noch nicht. Man kann aber durchaus nach Alternativen fahnden und ein bisschen herumsuchen. Also macht man sich mal ein paar Gedanken.

Bekannt sollte Eingeweihten auf jeden Fall das hier sein:

  • Kleinbildobjektive sind in großer Anzahl als Gebrauchtteile auf dem Markt.
  • Je älter die Linsen, desto billiger sind sie.
  • Je länger es das System nicht mehr gibt, desto billiger.
  • Je verbreiteter desto billiger
  • Je „Versandhaus“ desto billiger.
  • Der Bildkreisdurchmesser für diese Objektive ist in der Regel kleiner als der von Mittelformatlinsen.

Es gibt auch Ausnahmen. Eine nennt sich Shiftobjektiv und bietet dem geneigten Nutzer die Möglichkeit, den Bildkreis zum Perspektivausgleich zu verschieben. Das ist eine der Funktionen, die im Normalfall den Großformatkameras vorbehalten ist. Der Bildkreisdurchmesser dieser Objektive liegt bei für das 33x44mm- Mittelfomat komfortablen mindestens 58mm, wie eine etwas langwierige Suche im Netz ergeben hat; oft ist es deutlich mehr.

Bekannte Vorgehensweisen…

Dasselbe nochmal aus einer anderen Perspektive. Aufnahmedaten wie im ersten Bild.

Ich habe also danach gesucht und bin fündig geworden. Bei mir wurden es für den Anfang ein Adapter von K&F Concept und ein PC- Nikkor 1:4/28mm aus den 1970ern, das ausreichend dafür sein sollte. Ein Leitz Elmarit R 2,8/90 wird wahrscheinlich noch als Portraitobjektiv dazukommen. Das Nikon- Objektiv war bereits auf das Leica-R-Bajonett umgebaut und damit sollte das Elmarit auch an diesem Adapter verwendbar sein. Umgekehrt ginge es aber dank Leitax auch. Dort kann man passende Objektive für die gängigsten Altsysteme entweder umrüsten lassen oder ein passendes Bajonett nebst Umbauanleitung erwerben. Interessant sind vor allem einige Olympus- Objektive; vor allem für die Makro- und Shiftmodelle gilt das nach einigen Gerüchten. Das Problem ist dabei nur, dass vermutlich noch niemand ernsthaft ein Olympus- Objektiv an den GFXen ausprobiert hat. Ich übrigens auch nicht. Dabei ist das 24er Shift von denen hochinteressant, aber gebraucht fast so teuer wie eins von Canon aus der ersten L- Serie, das aber für eine vernünftige Blendenfunktion einen Techart- Adapter oder einen Adapter mit Blendenring braucht. Beachten sollte man auch, dass man trotzdem noch ein oder zwei Originalobjektive in der Tasche haben sollte. Für den schnellen Schuss zwischendurch ist das komfortabler. Interessant ist das, wie eingangs erwähnt, vor allem bei extremen Brennweiten, die im Mittelformat schnell teuer werden können.

Nochmal eine andere Perspektive. X-Pro 2 mit 1,4/35. Blende 16, Studioblitz, ISO 100

Was geht sonst noch so?

Bei mir liegen z.B. noch ein paar Linsen für eine Pentacon Six herum, die ich in den letzten 15 Jahren kaum benutzt habe. Bei den Pentacon- Kameras gibt es das bekannte Manko des Filmtransports, der nicht immer zuverlässig ist und das Faktum, dass diese Kameras reparaturanfällig sind. Das macht diese Kameras für den professionellen Bedarf kaum einsetzbar; daher sind sie sehr preiswert in der Beschaffung. Auf der anderen Seite gibt es noch die Kiew 60, die deutlich robuster ist und mit der man interessanterweise durchaus arbeiten kann, wenn man sie mit einem nachgerüsteten Tuchschlitzverschluss kauft, der wesentlich ruhiger abläuft als das vibrationsfreudige Original aus Metall. Kameras und Objektive von Pentacon sind deshalb fast nur noch bei eingefleischten Fans gefragt und daher auch relativ günstig zu haben. Der von mir geschätzte Bildkreisdurchmesser dieser Objektive, der für das 6×6- Format ohnehin bei mindestens 80mm liegt, macht sie als Shift/Tilltlinsen vor allem für Architekturbilder interessant. Zudem gibt es auf der Habenseite noch den Qualitätsaspekt: Vor allem die Linsen aus den 1970er Jahren, als die DDR einen gewissen wirtschaftlichen Höhepunkt hatte, sollten hervorragend sein. Und wenn man irgendwo eine Linse von Schneider- Kreuznach für die Exakta 66 findet, kann man die auch dafür hernehmen. Aus der Ukraine gibt es auch passende Objektive dazu; wenn man sie hat, sollte man sie ruhig mal ausprobieren. Leider ist es aber so, dass die kürzeste gebaute Brennweite von Zeiss Jena bei 50mm liegt, was sie als Weitwinkel an der GFX uninteressant macht; während das bei meinem 3,5/35 für die 645er Pentax anders aussieht. Grundsätzlich kann man aber alles adaptieren, dessen Auflagemaß größer als die rund 26,5mm des GFX- Systems ist. Die Bedingungen sind, dass es irgendwo einen Adapter gibt oder dass man eine Dreherei kennt, die solche Teile anfertigen kann.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die alten Hasselblad- Objektive von Zeiss aus dem V-System, die als hervorragend gelten. Ich habe sie nicht; aber man muss es der Vollständigkeit halber erwähnen. Eine Tabelle mit Auflagemaßen gibt es bei Wikipedia.

Einen Sonderfall stellen bei Hasselblad die Objektive für die neueren H- Modelle dar. Die kann man mit einem originären Adapter von Fujifilm an der Kamera nutzen. Bis auf den Autofokus funktionieren sie meines Wissens wie die Fuji- Originale. Wer sowas hat, sollte zu diesem Adapter greifen. Vor allem, wenn eines der wohl äußerst seltenen 4/24er im Hause ist, kann das lohnend sein. Zudem bliebe es in der Familie: Diese Objektive kommen von Fuji.

Großformatkameras

Auch daran kann man adaptieren; durchaus auch an 4*5″- Kameras mit internationalem Rückteil. Adapter, die man in das Rückteil klemmen kann, bauen die Chinesen. Auch hier gibt es allerdings das Manko der Auflagemaße. Der typische quadratische Balgen einer gängigen Studiokamera lässt sich maximal für Brennweiten bis etwa 100mm zusammenschieben; bei Laufbodenkameras manchmal auch noch für 90mm. Man braucht einen Weitwinkelbalgen. Diese Teile gibt es je nach Hersteller für Brennweiten bis etwa 65mm abwärts, wenn man Glück hat; 75mm sind gängiger. Hinzu kommt noch das Auflagemaß der Kamera von etwa 26,5mm. Die Brennweite entspricht meistens etwa dem Auflagemaß und es wird klar, dass unter 100-120mm im Normalfall kaum etwas geht. Ausnahmen gibt es allerdings auch. Cambo z.B. bietet eine Kamera an, bei der die Kamera den hinteren Mattscheibenrahmen ersetzt. Dann geht es auch kürzer. Im 6×9- Format kann das aber wieder anders aussehen. Ich persönlich würde bei diesen Kameras deshalb eher zu einem separaten Rückteil raten, wenn so eine Kamera vorhanden ist und benutzt werden soll. Angetestet habe ich das vor Jahren mal mit einer Canon Eos 5D MkII an einer Sinar und ich fand es ein bisschen umständlich, weil es nicht so komfortabel ist wie mit einer Mattscheibe unter einem Einstelltuch. Wenn man so etwas noch irgendwo im Schrank hat und das Erwähnte beachtet, kann das auch mit der GFX sinnvoll sein; vor allem, wenn man Produktfotos damit machen will. Für die Pentax 645 gilt das so nicht: Deren Auflagemaß ist einfach zu lang.

Was hier noch kommen soll

Ich selbst plane momentan, neben einer oder vielleicht zwei Leitz- Linsen, vor allem zwei meiner Pentax 645- Objektive an der GFX einzusetzen. Gedacht ist dabei an ein älteres SMC-A 3,5/35 und ein SMC-A 4/120 Makroobjektiv. Beide sind hier vorhanden und sollen an einem Shift/Tilt- Adapter laufen. Der Bildkreisdurchmesser der Objektive sollte für ausreichende Verstellwege groß genug sein. Ich schätze den momentan -ähnlich wie bei den Pentacons- auf etwas unter 80mm, bis ich mehr darüber weiß. Welcher Adapter der meinige wird, muss sich noch herauskristallisieren. Es gibt meines Wissens nur die Auswahl zwischen Fotodiox Pro und Kipon.

Die ersten Bilder aus dem 28er Museumsstück

Wiese bei Eixe. GFX 50R, Nikon 4/28er Shift. Blende 11 und 1/60stel Sek,.

Das einzige klassiche Shiftobjetiv, das ich bisher wirklich ausprobiert habe, ist das oben gezeigte 28mm- Shift von Nikon. Meine ersten Erfahrungen damit decken sich mit dem oben bereits kolportieren. Das Objektiv ist unverstellt in der Tat scharf bis an den Rand, erreicht aber meiner Ansicht nach nicht ganz die Qualität einer Fuji- Linse. Sobald man es verstellt, entstehen zuerst Vignettierungen, die im Extrem bei 11mm Verschiebung mit einem breiten schwarzen Rand enden. Es ist aber -richtig bedient und unverstellt- durchaus gut. Für den gedachten Einsatzzweck, also als starres Weitwinkel, reicht es auf jeden Fall aus.

Acker bei Schwüblingsen. GFX 50R, Nikon Shift. Blende 11 und 1/2stel Sek,. ISO 400.

Wichtig ist bei diesem Objektiv das hier:

  • Besser mal nicht verstellen.
  • Es wird erst ab Blende 8 richtig scharf.
  • …was bei so alten Objektiven aber normal ist.
  • Die kleinbildäquivalente Brennweite liegt bei etwa 22mm.
  • Neuere Linsen bieten wahrscheinlich mehr Verstellwege.
  • In Kleinbild würde es sehr wahrscheinlich auch verstellt nicht vignettieren.

Auch die Einschränkungen ergeben sich aus dem ursprünglichen Einsatzzweck. Das Objektiv lässt sich um 12mm verschieben, was im Kleinbildformat quer immerhin knapp 50% der tatsächlichen Bildhöhe ausmacht. Bei meinem 1:8/90mm- Super-Angulon gehen meines Wissens etwa 35mm Verschiebeweg an 4×5″. Ebenfalls in quer. Relativ zu diesem Objektiv gesehen, ist dieser Weg demnach im Großformat kleiner. Der Vergleich hinkt allerdings ein bisschen: Bei einem 300mm- Symmar kann der maximale Verstellweg der Kamera schon kleiner als der Bildkreisdurchmesser sein. Vor allem bei Laufbodenkameras wie meiner Shen Hao kann das so sein und bei einer Speed Graphic ist das so. Übrigens gibt es auch hier Parallelen: Bei längeren Brennweiten ist die Chance auf einen größeren Bildkreis auch bei kleinen Formaten höher. Einige Objektive aus der Art- Serie von Sigma sollen das bieten. Mit anderen Worten: Die 12mm maximaler Verstellweg eines derartigen Objektivs wären an einer Mittelformatkamera wie der GFX durchaus ein guter Wert, wenn sie gingen.

Acker bei Schwüblingsen der Zweite. GFX 50R, Nikon Shift. Blende 11 und 1/2stel Sek,. ISO 400.

Fotos vom Lichtabfall bei starker Verschiebung habe ich keine gemacht, weil mir selbst klar ist, dass das irgendwann auftritt. Die nächsten Linsen die ich anzutesten gedenke, sind meine alten Zoom- Nikkore. Bei mir liegen noch ein 4/80-200 und ein 3,5-4,5/35-105. Gespannt bin ich auf beide.

Zur Technik. Die Bilder von der Kamera stammen natürlich aus dem Studio und wurden mit Fujis X-Pro2 und einem 1,4/35 gemacht. Die Landschaftsbilder stammen wie beschrieben aus dem Nikon- Shiftobjektiv mir Fujis GFX 50R. Die Kontraste waren sehr steil; daher musste ich die Schatten stark anheben. Ein Verlaufsfilter wäre hier angebracht gewesen. Aber es war nur „schnell mal ein Bild machen“ angesagt.

Wie neuerdings erfolgte die Nacharbeit mit Capture One. Und je mehr ich damit anstelle, desto besser wird das interessanterweise.

Fujis GFX 50R — Die digitale Texasleica

So sieht meine GFX 50R aus. Hier mit dem GF 4/32-64.

Es ist allgemein bekannt, dass Dinge in Texas größer sind als anderswo. Auch für die Leicas gilt das und hier hat sich dann ein Cowboy mal richtig ausgetobt. Mal im Ernst: Das ist natürlich eine Legende und ein bisschen ironisch gemeint. Aber das Design erinnert mich durchaus an die alten 6×9- Modelle aus den 1970er bis 1980er Jahren, als solche Kameras noch gebaut und in bestimmten Bereichen auch verwendet wurden. Allerdings ist die Kamera deutlich kompakter als die alten 6x9er.

Einer zur Auflockerung. Mal wieder der Birkenhain bei Eickenrode. 1/160stel Sek. bei Bl. 13. ISO 400. Mit dem 5,6/100-200.

Kaufgründe, Tinnitus und andere Ausreden…

Es gab diese Frage schon länger: Bei Pentax bleiben oder auch im Mittelformat auf Fuji umsteigen? Die Kosten sind bei einem Neukauf sehr hoch; aber wenn man gebraucht kauft, natürlich erträglicher. Und wenn man etwas anderes, ebenso hochwertiges, abzugeben hat, wird das am Ende bezahlbar. Dieser Philosophie folgend habe ich beim Mittelformat das System gewechselt. Dazu kommt noch der Apsekt, dass man neue Bildbearbeitungssoftware von Adobe nur noch mieten kann. Ein Wechsel bei der Software steht also zusätzlich an.

Feld. Mit dem 100-200. 1/45stel Sek. bei Bl. 14. ISO 400. Im Original sieht man jedes Härchen und die Arbeit der Spinnen.

Dann gibt es bei Fuji irgendwie diesen „Habenwill“-Effekt, der bei jemanden aus Peine von nahezu jeder dieser Kameras ausgelöst wird. Da ist immer so ein dezenter „nimm mich, kauf mich“- Tinnitus in den Ohren des Autors, der manchmal erst verschwindet, wenn das Ding hier ist…

Gedacht, gesagt; und am Ende getan. Fujis GFX 50S gefällt mir persönlich wegen ihrer Ähnlichkeit mit normalen Spiegelreflexkameras nicht und besser als eine Pentax 645z ist sie in der Realität, wie die 50R, auch nicht; im Gegenzug aber gebraucht eigentlich noch zu teuer. Objektive für das System sind zudem bei Gebrauchtkauf Mangelware. Deutlich billiger und ebenso gut ist die GFX 50R, die es sich schon wegen ihrer relativen Kompaktheit in meinem Gehirn gemütlich gemacht hatte. Bedingung für einen Kauf war allerdings, dass der Preis günstig genug ist, um mich finanziell nicht zu übernehmen. Hier ist bei einem Neukauf immerhin vom Gegenwert eines kleinen Autos die Rede; und das ist schon eine Menge Geld. Gemeint ist hier natürlich das komplette Kit inkl. Objektiven und notwendigem Zubehör. Eine Hasselblad X1D hätte ich zwar lieber gehabt; aber auch das gute Stück hat seine kleinen Schwächen: Einmal ist sie erheblich teurer; auf der anderen Seite in der Qualität aber insgesamt nicht bis kaum besser. Dann sollte man wissen, dass die Hasselblad- Objektive seit Einführung der H- Modelle von Fuji kommen. Also stellt sich die Frage, warum man denn nun eine Hasselblad nehmen sollte, wenn man ähnliches auch bei Fuji haben kann, wenn wir über die Qualität reden. Zumal Fujis Reputation sehr gut ist, was den Objektivbau angeht und sich meine Erfahrungen damit decken.

Leichter werden sollte das Ganze auch noch, damit das auch in die Ferien mitfliegen kann. Anvisiert sind hier etwa 8 Kg als bei allen Fluglinien erlaubtes Handgepäck inklusive allem Zubehör vom Ersatzakku bis zum Laptop, aber ohne Stativ. Das wiederum verlangt nach einer leichten Kamera und nach einem möglichst flexiblen und gleichzeitig guten Objektivsatz, der zusätzlich auch noch aus maximal zwei Objektiven bestehen soll. Damit wurde die Wunschliste klar: Ich wollte eine GFX 50R, das 4/32-64 und das 5,6/100-200. Das dann auch noch so günstig wie möglich. So etwas geht nicht sofort, aber wenn man Geduld hat, hat man irgendwann mal Glück. Ich habe also irgendwann zugeschlagen und bin nun stolzer Besitzer des Beschriebenen…

Adapteritis

32 mm am kürzesten Ende sind für eine Kamera dieser Bauart schon relativ viel Weitwinkel. Wer mag, kann sich noch ein 24er für diese Kamera anschaffen. Ich werde das schon um meines Kontos willen nicht in dieser Form tun, sondern damit warten, bis sich eine andere Lösung herauskristallisiert hat. Gedacht ist derzeit an Kleinbild- Shiftobjektive, die aber adaptiert werden müssen. Zudem muss ich mich da noch ein bisschen schlaulesen, was deren Bildqualität in der Realität angeht. Klar ist aber schon, dass diese Objektive natürlich manuell bedient werden müssen, weil das meiste, das kommen soll, längst Technikgeschichte ist. Eine russische Lösung kommt bei dem einen oder anderen Pentax 645- Objektiv in Betracht; gedacht ist hier an einen Shift/Tilt- Adapter für mein 120er Makro und das 35er; aber das muss sich noch zeigen. Es geht primär um die Schärfeverlagerung nach Scheimpflug, um mehr Weitwinkel und deshalb vor allem um die Tiltfunkion, die ich so relativ einfach haben kann; die genannten Linsen sind immerhin schon hier. Shiften kann man sie zusätzlich noch, was manchmal bei Landschaften wichtig werden kann, wie ich aus Erfahrungen mit dem Großformat weiß und bei Architekturbildern wirklich wichtig wird. Das ist ein weiterer Vorteil gegenüber der 645er Pentax: Das Auflagemaß ist kurz; man kann sehr schön daran adaptieren und so zumindest als Landschaftsfotograf, bei dem es meistens nicht auf eine Sekunde ankommt, eine Menge Geld weniger ausgeben.

Für komfortorientiere Mitmenschen eignet sich das allerdings nicht: Man muss zumindest bei Nutzung der Pentax- Objektive manuell arbeiten können. Wer mal mit Großformatkameras gearbeitet hat, kennt das. Wer es nicht hat, muss erstmal lernen, die einzelnen Einstellungen in den Arbeitsablauf zu integrieren und lernen, schnell und trotzdem präzise zu arbeiten. Das kann schnell zu einer Art Drill werden, weil die Abläufe wirklich sitzen müssen.

Wie ist es denn nun, das gute Stück?

Aus einer anderen Perspektive.

Die Kamera selbst erinnert mich in ihrer Bedienung an die X-E2, die ich auch mal hatte. Nur mit dem Unterschied, dass sie größer ist und dass sich die Schalter besser anfühlen, weil sie irgendwie definierter einrasten. Es gibt nur einen Joystick zum Manövrieren durch die Menüs und zum Verschieben des AF-Punktes, der das klassische Tastenkreuz ersetzen soll und das aus meiner Sicht auch tut. Man muss sich nur daran gewöhnen. Ich kenne diese Bedienlogik schon und wer z.B. mit einer T oder Pro2 arbeitet oder mal eine E3 bespielt hat, weiß auch woher. Der Rest ist fujitypisch: Die Rädchen für Belichtungskorrektur und Verschlusszeit und den klasssichen Blendenring gibt es auch noch.

Die Rückseite. Man kann hier die Ähnlichkeiten mit den X-Modellen sehr schön erkennen.

Das wohlbekannte Q- Menü hat diese Kamera auch zu bieten und daher: Welcome Home, Man. Mit anderen Worten: Wer schon Fuji hat, hat’s einfacher.

Den Bildschirm kann man nur nach oben und unten klappen und einen Touchscreen hat er auch. Auf diesem Gebiet eher konservativ eingestellte Leute, zu denen ich mich beim Thema Equipment durchaus zähle, werden das begrüßen, weil es gefühlsmäßig etwas robuster als ein Schirm, den man in alle Richtungen bewegen kann. Selbst das Autofokus- Messfeld kann man so anwählen. Ob das bei einem Menschen mit großen Händen Sinn macht, ist allerdings etwas zweifelhaft. Für andere Dinge kann man das gute Stück allerdings durchaus benutzen, wie ich finde.

Der Sucher ist natürlich elektronischer Bauart und aus meiner Sicht ausreichend. Eine Dioptrienkorrektur gibt es und man kann sie arretieren, was sehr wichtg ist, wenn man sie braucht.

Baumdetail bei Peine. In Farbe. 1/75stel Sek., Bl.13, ISO 400. Mit dem 100-200.

Was die Verarbeitungsqualität angeht, gibt es nichts zu meckern. Die Schalter rasten ordentlich und man hat begriffen, dass ein Belichtungskorrekturschalter in einer Anordnung wie bei den Fujis etwas schwergängig sein muss, um nicht bei jeder Berührung verstellt zu werden. Das ist aus meiner Sicht der Hauptkritikpunkt bei den ersten X-Modellen gewesen: Man musste permanent darauf aufpassen. Eine Verrriegelung wäre trotzdem besser gewesen. Damit kann zumindest das Verschlusszeitenrad aufwarten.

Noch ein Baumdetail. Mit dem GF 5,6/100-200. 1/20stel Sek. bei Bl. 11, ISO 400.

Der Autofokus ist handlingmäßig wie bei den kleinen Modellen, aus mechanischen Gründen etwas langsamer, aber deutlich schneller als bei den 645er Pentaxen. Im Gegensatz zu Pentax braucht man den Akkuschrauberantrieb nicht mehr; die Objektive sind motorisiert, was dem technischen Fortschritt geschuldet ist. In modernen Zeiten geht sowas halt elektronisch. Im Gegenzug muss man für diese Objektive allerdings ein paar Euronen mehr auf den Tisch legen und sich den Kauf besser überlegen, wenn Wünsche aufkommen. Bei Neukauf gilt das in dieser Form nicht. Dann sind die Preise bei Fuji und Pentax ähnlich und wenn man zu neuem Pentax- Glas greift, sind diese Objektive teilweise teurer als bei Fuji. Der Vorteil des günstigen Gebrauchtkaufs bei Pentax fällt also auf der einen Seite weg; auf der anderen Seite hat man die schnelleren Optiken.

Die Obkektive entsprechen meinen Erwartungen. Alles fokussiert korrekt und die Bilder werden da scharf, wo sie scharf werden sollen. In der Verarbeitungsqualität sind sie ein erkennbar besser als die AF- Objektive von Pentax und man kann die Blende sowohl über den Ring als auch über ein Einstellrad an der Kamera verstellen. Die Blendenringe haben hierzu eine eigene verriegelbare Raststellung.

Das 100-200 hat leider eine kleine Macke, die wohl der Kompatkheit geschuldet ist: Die kürzeste Fokusentfernung ist variabel und liegt bei 200mm Brennweite bei 2 Metern und bei 100mm bei einem Meter. Das habe ich ín dieser Form zwar noch nicht gesehen, aber mechanisch ging es wohl nicht besser. Es ist immerhin kein Makroobjektiv. Und für einen Abbildungsmaßstab von 1:10 reicht das noch. Im Mittelformat sind wir hier immerhin schon bei einem Portrait. Ich werde wahrscheinlich mein altes 120er Pentax- Makro adaptieren und das für diese Fälle verwenden.

Die manuelle Fokussierung funktionert wie bei den XF- Objektiven mit einer Drive-by-Wire- Steuerung und nicht direkt per Schneckengang. Bei entsprechender Einstellung der Kamera kann man den Autofokus auch mauell „überstimmen“, falls das notwendig sein sollte.

Stromparanoia…

Eine Akkuladung sollte bei der GFX 50R für etwa 250-300 Bilder gut sein, wie aus der Anleitung hervorgeht. Im Mittelformat fotografiert man erfahrungsgemäß etwa um die Hälfte weniger als mit kleineren Kameras und insofern kann ein Akku über den Tag reichen, wenn man damit auf Tour ist. Knapp kann es aber schon mal werden. Daher sollte man sich über die Stromversorgung unterwegs einige Gedanken machen, wenn man sichergehen will, dass der Saft nicht ausgeht. Das geht mittlerweile auch hier mit USB- Fremdladern, von denen bis Dato nur ein einziges Modell hergestellt wird und das von Nightcore stammt.

Die Stromversorgung geht bei USB- Fremdladern nur mit QC- fähigen Netzteilen.

Dieses Ladegerät ist etwas speziell für jemanden, der sowas noch nicht aktiv im Einsatz hatte: Man kann es in zwei Formen verwenden: Einmal als Quickcharge(QC)-Lader; dann kann man zwei Akkus parallel aufladen. Und dann immer noch als konventionellen Lader; dann kann man zwei Akkus nacheinander aufladen. Das liegt daran, dass die Kamera mit höheren Spannungen läuft; hier sind es 10,8 Volt; die Ladespannung liegt bei 12,6 Volt. Bei einem Ladestrom von 500 mA bedeutet das, dass man schon rund 6,3 Watt plus der Verlustleistung des Laders braucht, damit man einen Akku laden kann. Nimmt man die mit circa 20% an, kommen wir schon auf etwa 8 W; bei zwei Akkus also auf rund 16 Watt. Das kann ein konventioneller USB-Anschluss schlicht nicht liefern. Man muss am Gerät nichts umschalten; das Gerät erkennt seine Stromversorgung selbst.

Ich habe mir mit diesem Gerät ein QC- fähiges Netzteil bestellt und nutze es in der schnellen Variante. Andererseits kann man es so immer noch an einer Powerbank verwenden, wenn Bedarf entsteht.

Zur Technik: Die Landschaftsbilder stammen aus der GFX und wurden mit Capture One Express 12 nachgearbeitet. Verkleinert wurde in Lightroom. Die Bilder von der GFX stammen von einer X-Pro2 mit einem 1,4/35. Diese Bilder wurden nur verkleinert.

 

 

 

 

 

Diät die Zweite: Das 4,5/33-55.

Das ist die Linse, um die es geht. Das Pentax 645 FA 4,5/33-55. Hier an der 645z. Aufgenommen mit Fujis X-Pro2 und dem XF 1,4/35. Blende 16, 1/250stel Sek. ISO 100. Wie unschwer zu erkennen ist, mit Kunstlicht. Die Gegenlichtblende ist ein Fremdteil.

Wie es denn so ist, verlangt die Mitnahme einer Mittelformatkamera wie der 645Z nach einigen Überlegungen, wie sich Gewicht einsparen lässt. Am einfachsten ginge das natürlich, wenn man sich auf eine Olympus oder Panasonic im MFT- Format beschränkt. Ich will dieses Format aber nicht und habe meine Gründe dafür. Andere wiederum würden nie etwas anderes kaufen wollen. Aber die Detaildarstellung ist bei größeren Sensoren, wie einst auch bei den Filmen, einfach deutlich besser, wie mir schon nach den ersten Testbildern aus meiner ersten digitalen 645er Pentax klar wurde.

Behälter. 1/2 Sek. bei Blende 10.

Insofern ist das nicht anders als die Arbeit mit Film: Je größer die Abbildungsfläche, desto besser ist tendenziell die Detaildarstellung. Wobei das natürlich die passenden Objektive voraussetzt. Hier kommen sie halt von Pentax.

Allen Unkenrufen zum Trotz und entgegen allen Hinweisen zu der angeblich schlechteren Qualität und der aus Sicht einiger Mitfotografen etwas kruden Haptik(Es ist halt aus Kunststoff) habe ich mit eines dieser Objektive angeschafft. Ich konnte es sehr günstig schießen. Mit der Hoffnung, dass es vielleicht sogar einwandfrei ist. Hinsichtlich der Belichtung war es das sogar; fokussiert hat es auch korrekt, aber es war deutlich zu erkennen, dass es dezentriert gewesen ist.

Das Ersatzteildrama

Verrostete Tür bei Ilsede. 1/400stel Sek. bei Blende 11. ISO 400. Mit dem 33-55.

Die Suche nach einer Werkstatt, die imstande ist, das zu reparieren, also den Linsensatz korrekt zu montieren, führte mich nach Braunschweig zu einer freien Werkstatt, die solche Objektive reparieren können sollte. Diesem vermeintlichen Spezialisten fehlte aber eine Einrichtung, den Linsensatz korrekt zu montieren. Und mit diesen Worten wurde das Objektiv zum Werksservice weitergeleitet.

Graffito. 1/200stel bei Bl. 11. ISO 400.

Das Problem war, dass das Objektiv einen Fallschaden hatte und dass es vermutlich deshalb so billig gewesen ist; ich habe 330 Euro bezahlt, um mal eine Zahl in den Raum zu werfen.

Die nächsten Probleme waren der eigentliche Defekt und die Lieferzeiten für Ersatzteile.

Ich habe das Objektiv im Dezember 2018 gekauft und angetestet. Dabei stellte sich heraus, dass es eine Macke hat, deren Ursache besagter Fallschaden war. Das Objektiv ging Anfang Januar in die Werkstatt zur Durchsicht. Nach etwa zehn Tagen hatte ich den ersten Kostenvoranschlag für die Reparatur; vertretbare 330€. Dann passierte erst einmal zwei Monate nichts. Überhaupt nichts. Dann kam ein neuer Kostenvoranschlag, 580€. Bereits leicht angesäuert fuhr ich nach Braunschweig, um den Kostenvoranschlag nach reiflicher Überlegung zu genehmigen und meinen Ärger dort abzuladen. Danach passierte wiederum knapp drei Monate nichts. Am Ende kam eine E-Mail, dass das Objektiv fertig sei und ich es abholen könne. Was ich dann auch tat. Immerhin wurde der zweite Kostenvoranschlag eingehalten.

Dampfleitung. 1/30stel Sek., Bl. 14, ISO400.

Natürlich stellt sich bei so einem Verhalten auch eine andere Frage: Was wäre, wenn ich professionell arbeiten würde und wenn ich einen Service hätte, der geschlagene fünf Monate braucht, um ein Objektiv zu reparieren? Wahrscheinlich wäre ich dann schon vier Monate nicht mehr Kunde bei Pentax, sondern hätte mir etwas anderes besorgt; sehr wahrscheinlich käme das momentan von Fuji. Bei denen funktioniert der Service nämlich. Man muss sich herstellerseits auch fragen, ob man seine Kunden überhaupt noch bedienen will. Bei Pentax sieht das, vor allem unter Betrachtung des stark reduzierten DSLR- Programms, leider nicht mehr so aus. Daher kann man von folgendem ausgehen: Entweder man hat alles doppelt am Lager und erträgt deren Langsamkeit oder man kauft etwas anderes. Für mich ist jedenfalls klar, dass mein nächster Mittelformater in vier Jahren sehr wahrscheinlich von einem anderen Unternehmen kommt. Schade um Pentax. Denn eigentlich sind zumindest die Mittelformatsachen von denen exzellent.

Dampfleitungen. 1/13tel Sek., Bl. 22, ISO400.

Was ist denn nun?

…wird sich der eine oder andere nach meinem Hasspamphlet im letzten Absatz vielleicht fragen. Nun, die Reparatur scheint einwandfrei zu sein. Also haben wir zumindest einen Pluspunkt. Das Objektiv ist mittlerweile gleichmäßig scharf und daher funktioniert es, wie es soll. Die mechanischen Teile darin sind in der Tat getauscht worden, was man am Tubus auch erkennen kann. Das Objektiv sieht annähernd aus wie eines, das gerade aus der Werksverpackung geschält wurde. Das ist doch immerhin etwas.

Laufrad. 1/4tel Sek. bei Bl. 22.

Wenn ich den Gedanken der Gewichtsersparnis weiterspinne, kann ich jetzt mit drei Objektiven auskommen, um den Bereich von 33-300mm abzudecken. Etwas „Gap“ ist aber dabei. Wo dieser liegen kann, muss noch herausgefunden werden. Bisher ist das 4,5/45-85 meine Lieblingslinse am 645er System. Also müsste es das 4,5/80-160 sein, das zuhause bleibt, wenn es wieder mal auf Tour geht. Das werde ich in der nächsten Zeit ausloten. Es kann aber auch passieren, dass ich das 4,5/45-85 und das 4,5/80-160 für diesen Zweck durch ein 5,6/55-110 oder ein manuelles 4,5/55-100 aus dem 67er System ersetze. Letzteres ist momentan mein eigentlicher Favorit. Ich muss aber erst mal sehen, was der Geldbeutel hergibt. Sicher ist bisher nur, dass auch das ein Gebrauchtkauf wird.

Klingel. 1/16tel Sek. bei Bl. 16. ISO 400.

Springen wir noch mal zurück zum Ergebnis der Bemühungen des Unternehmens: Die Reparatur hatte anfangs auf die Funktion keine negative Auswirkung. Eine positive leider auch nicht. Das Objektiv erschien immer noch dezentriert.

Führerhaus einer Speicherdampflok. 1/160stel Sek. bei Bl. 13.

Bei mir äußerte sich der Fehler darin, dass das Objektiv deutlich erkennbar schielte. Ein paar Bilder später, etwa 100 an der Zahl, stellte sich ein anderer Effekt ein: Der Fehler geht zurück und die Abbildungsleistung des Objektivs wird allmählich deutlich besser als sie es vor der Reparatur war. In dieser Form habe ich das bisher noch nicht beobachtet. Mal sehen, was noch nachkommt. Es muss sich wohl erst einmal einlaufen. Bei allen anderen Dingen verhält es sich wie erwartet: Man muss ein bisschen an den Kontrasten arbeiten, weil es etwas flau ist. Tut man das, ist die Linse ähnlich gut wie die anderen Objektive.

Bei den kleinen Bildern hier im Netz kann man das nur schlecht demonstrieren. Man hat zwar Webspace gemietet, aber der ist begrenzt.

Schieber von Kohlewaggon. 1/40stel Sek. bei Bl. 11.

Die gezeigten Bilder sind noch am selben Tag entstanden, an dem ich das Objektiv abgeholt habe. 

Zur Technik. Alle Bilder stammen aus einer Pentax 645z. Aufgenommen wurde alles mit dem 4,5/33-55. Meistens stand die Kamera auf einem Stativ. Alles bei ISO 200. Zeiten und Blenden stehen unter den Bildern. Nacharbeit in Lightroom 6.14.

 

 

 

Mal ein Parkhaus im Bau

Parkhaus im Bau. Bei Tappenbeck. 2 Sek. bei Blende 32. ISO 200.

Das Gebäude sieht zumindest wie ein Parkhaus aus. Weil das 150-300 noch in der Einschießphase ist, habe ich die Gelegenheit genutzt, das gute Stück mal in dieser Richtung anzutesten, um zu sehen, ob und wie stark es verzeichnet und eventuell die Einstellungen im derzeit noch verwendeten Lightroom mit der Pentax 645z zu verfeinern.

Parkhaus im Bau. Bei Tappenbeck. 1 Sek. bei Blende 36. ISO 200.

Das Problem dabei ist allerdings, dass ich meine Bilder auf einem normalen Windows- PC verarbeite, der derzeit sogar noch mit der guten alten Version 7 läuft. Alternativen wie Phocus von Hasselblad, die eigentlich am interessantesten sind, aber nur mir Apple- Rechnern wirklich funktionieren, lassen sich so nicht nutzen. Nur: wer mag schon mehrere unterschiedliche Systeme vorhalten und wer zahlt gern viel Geld an Adobe, wenn das eigentlich nicht notwendig ist? Ich gehöre nicht zu dieser Gruppe.

Parkhaus im Bau. Bei Tappenbeck. 1 Sek. bei Blende 36. ISO 200.

Die Lösung hierfür heißt bei Fuji und einigen anderen Capture One, das ich in Zukunft für die Fuji- Daten verwenden werde. Mit den Daten der Pentax geht es leider nicht. Theoretisch gibt es einen einen Trick, dem Programm die Rohdaten, hier als DNGs, unterzuschieben. Aber es ist eben nur halblegal und daher unterlassen wir das besser mal. Ich suche hier also noch. Zudem: Ich habe das gekaufte Lightroom ja noch. Und damit ist es legal. Nur wird es die kommenden Fuji- Kameras eben nicht mehr unterstützen..

Parkhaus im Bau. Bei Tappenbeck. 1/1,7tel Sek. bei Blende 36. ISO 200.

Mal wieder zum Thema zurück: Ich wollte wissen, wie es um die Verzeichnung des 5,6/150-300 steht. Mit dem Ergebnis, dass es gut darum steht. Man muss, wenn überhaupt, nur minimal korrigieren. Also diese Prüfung hat es bestanden. Was ich auch noch wissen wollte ist, wie es sich bei größeren Entfernungen verhält. Dieses Gebäude stand etwa 200 Meter von mir entfernt, was schon eine gewisse Entfernung darstellt. Zudem wollte ich noch ausgelotet wissen, wie weit man das Objektiv ohne allzugroßen Qualitätsverlust abblenden kann, ohne in die Beugungsunschärfe zu geraten. Das ist in der Tat wie bei den anderen Linsen: Man sollte nur bis zur vorletzten Stufe schließen. Danach lässt es nach.

Parkhaus im Bau. Bei Tappenbeck. 1/3 Sek. bei Blende 36. ISO 200. 150mm.

Aufgenommen wurden diese Bilder allesamt mit der 645Z und dem 5,6/150-300. Und natürlich vom Stativ. Nachgearbeitet habe ich in Lightroom 6.14.

Unterwegs mit der 645z

Sonnenuntergang. 1/40stel Sek bei Blende 22, ISO 200.

Die 645z ist da, sie ähnelt der D und sie ist gut. Das habe ich ja schon geschrieben. Aber wie macht sie sich, wenn man sie nutzt und wie ist es auf einem leichten Carbonstativ wie meinem noch frischen Rollei C6i, das eigentlich eher für Kleinbildkameras gemacht und wohl auch gedacht ist.

Man kann bei Stativen chinesischer Herkunft, von denen das Rollei meines Wissens auch eines ist, davon ausgehen, dass sie bei weitem nicht so robust sind, wie es in der Artikelbeschreibung steht. Soll heißen: Das Togopod Patrick ist mit 15Kg Tragfähigkeit ausgewiesen, die ich allerdings nie ausnutzen würde. Schon weil die Stativbeine sich schon bei erheblich geringerer Last erkennbar durchbiegen. Bei kleineren Modellen wie dem Lisa wird das noch deutlicher: Es soll fünf Kg tragen können. Das kann es auch, ohne dass es zusammenbricht.

Aber: der Kopf ist schon mit einer Fuji und dem 55-200 überfordert: Man muss die Richtung des Objektivs mehrmals korrigieren, bis der Ausschnitt passt. Das liegt wiederum an der nicht sehr präzisen Einstellung des Kopfes und daran, dass sich die schon recht dünnen Beine des Geräts bereits durchbiegen. Ich würde das Limit eher bei zwei Kg ansiedeln. Soll heißen: Wenn man wenig Gewicht braucht, z.B. bei einer Flugreise, und eine kleine Kamera hat, kann man es verwenden.

Feldweg bei Eixe. 1/8tel Sek. bei Blende 22, ISO 200.

Mit einer Mittelformatkamera, die mit einem kleinen Objektiv auf etwa 2Kg kommt und die mit einem kleinen Zoom wie dem Pentax SMC-FA 645 4,5/45-85 rund 2,5 Kg wiegt, klappt das schon nicht mehr. Einmal, weil das ohnehin wegen des Kameragewichts instabil ist und zum anderen, weil man hier auf jeden Fall die Spiegelvorauslösung nutzen muss, um überhaupt in die Nähe scharfer Bilder zu kommen. Im Hochformat funktioniert übrigens nicht einmal mehr das: Dann vibriert das Ganze schon durch das Öffnen und Schließen der Verschlusses. Ergo: Man nehme Größeres. Das Modell Patrick ist schon deutlich besser; hier kann man bei Nutzung der Spiegelvorauslösung schon sehr gut arbeiten. Aber mehr als 3-4 Kg Last traue auch auch diesem Modell nicht zu. Nur ist das keine Togopod- typische Schwäche, sondern systembedingt. Die kleinen Sirui- Dreibeiner sind da nicht wirklich besser. Wesentlich ist bei der ganzen Sache, dass diese Stative aus Gründen der Größe über mehr Beinsegmente verfügen und dass so mehr Verbindungsstellen vorhanden sind. Die dünnen Beine sind da nur ein etwas spezielles Extra. Am besten ist immer noch eine quasi- monolithische Beinkonstruktion aus dicken Rohren, die aber nicht mehr in den Koffer passt. Man muss eben Kompromisse machen.

Das selbe im Querformat. Mit den selben Daten wie vor.

Das jetzige Rollei C6 ist ebenso ein Kompromiss, der allerdings größer und weniger kompakt ausfällt. Das Packmaß ist 50 cm und die Maximalhöhe ist mit 170 cm noch gerade so ausreichend. Im Gegenzug ist es stabiler und in der Carbonversion nicht wesentlich schwerer als die Modelle von Togopod. Das Packmaß ist mit 50cm allerdings größer: Man muss im Koffer etwas mehr Platz dafür freihalten. Und sowohl der Kopf als auch das Stativ sind stabil genug, um es auch noch mit einer 645er Pentax einsetzen zu können. Die Qualitäten meines alten Manfrotto 075 erreicht es zwar nicht, aber man kann sehr gut damit auskommen und schleppt keine 8Kg Gewicht mit sich herum.

Die Fuhse bei Abbensen. 1 Sek. bei Blende 22. ISO 200.

Was das Rauschverhalten der Kamera angeht: Der Sensor der 645z ist ein Sony- Modell auf CMOS- Basis, das man so auch bei der illustren Konkurrenz von Hasselblad, Phase One oder Fujifilm vorfindet. Das Rauschverhalten sollte demnach den Kameras dieser Hersteller ähneln. Der Unterschied sollte, wenn es denn einen gibt, eher in der Aufbereitung der Aufnahmen als in tatsächlichen Unterschieden bei der Hardware zu finden sein. Abgesehen davon: Eine 645er von Pentax lässt sich wie eine stinknormale Spiegelreflex bedienen. Man kann die Bedienung so konfigurieren, wie man das für die eigene Ergonomie braucht. Und die meisten Leute, die sie nutzen und die auch schon Modelle der Wettbewerber in der Hand hatten, loben sie genau deshalb über den grünen Klee. Ähnlich wäre da vor allem die Fuji GFX 645R, die noch ein bisschen kompakter ist und sich annähernd wie die X- Modelle benutzen lässt. Allerdings dann auch mit dem Nachteil des höheren Stromverbrauchs der Kamera: Mit einer Akkuladung kann man mit der 645Z etwa 650 Aufnahmen machen; mit der Fuji nur 350. Und man hat auch noch den Nachteil, dass man die Akkus derzeit noch nicht mit USB- Ladern aus China betanken kann. Also wird das auch nichts mit einer Powerbank in der Wildnis oder der USB-Steckdose im Auto. Diese Dinge gibt es für diese Kamera einfach noch nicht. Das sollte sich allerdings im Zeitverlauf auch ändern, wenn genug davon im Markt sind.

Zur Technik: Alles mit einer 645z aufgenommen und alles mit demselben Glas, einem 4,5/45-85. Nacharbeit in Lightroom 6.14, das wohl bald einer anderen Software weichen wird.

Die Pentax 645Z

Die 645z. Hier mit einem FA 4,5/45-85mm.

Ich habe es getan. Seit einiger Zeit kann ich eine Pentax 645Z mein Eigen nennen. Gekauft habe ich sie dieses Mal gebraucht mit sehr wenigen Auslösungen. Der Händler aus Hamburg hat sein Versprechen, dass sie neuwertig ist, also gehalten

Besser ist bei ihr im wesentlichen nicht die Auflösung. Der Grund für den Wechsel auf die 645Z liegt im CMOS- Sensor, der deutlich rauschärmer ist und in der schnelleren Verarbeitungsgeschwindigkeit der Aufnahmen. Das Tempo einer Nikon D850 erreicht sie zwar nicht, aber im Gegenzug ist so ein System auch nicht so teuer. Und aus meiner Sicht ist die Detaildarstellung mindestens nicht schlechter als bei der 645D, aber deutlich besser als bei den kleineren Formaten, die für die Ausbeutung des Sensors zudem Linsen brauchen, die weitaus anspruchsvoller zu fertigen und teilweise noch gar nicht im Markt sind.

Teurer wird das dann auch noch. Man muss schließlich nicht nur die Kamera kaufen, sondern auch passendes Glas: Ich habe hier ein 4/70-200 von Tamron, das in der Presse hoch gelobt wird und auf jeden Fall nicht die Leistung der deutlich älteren Pentax- Linsen bietet. Im Vergleich damit macht sich mein Sigma 1:4/24-105 aus der Art- Serie etwas besser, kommt aber auch nicht an das Mittelformat heran. Zumindest mit meiner D800 haben beide schon richtig zu kämpfen. Allerdings hinkt der Vergleich auch ein bisschen. Das Sigma könnte man durch ein stabilisiertes 24-70 von Nikon ersetzen und man käme dann schon nah an eine Mittelformatkamera heran. Nur ist man dann nur in der Nähe. Der kleinere Pixelabstand bei kleineren Sensoren verlangt halt finanzielle Opfer. Genauso wie der Qualitätsgewinn einer solchen Kamera physische Opfer verlangt: Man muss eben ein bisschen schleppen.

Deshalb hier mal die Entscheidungsgrundlagen im Detail:

  • Rauscharmer CMOS-Sensor. Dadurch werden Lowlight- Aufnahmen überhaupt erst möglich.
  • Die Signalverarbeitung ist deutlich schneller als bei der 645D.
  • Die Speicherkarten lassen sich deutlich schneller beschreiben.
  • Auch diese Kamera ist mit den alten 645-A-Objektiven kompatibel.
  • Einige Tausender billiger als die Umstellung auf eine Fuji GFX.
  • Mit ein paar Objektiven ist eine Fuji GFX trotzdem nicht leichter.
  • Ein Klappdisplay ist zuweilen nützlich.
  • Der Preis stimmte.
  • Zubehör wie Reserveakkus ist vorhanden.

Ein bisschen Extrazubehör war auch noch in der Originalverpackung. Ich habe dort z.B. einen Ersatzakku(Originalteil) vorgefunden und eine Arca-Swiss-Stativplatte lag auch noch darin. Schöne Geste das.

Ein bisschen leiser als die 645D ist sie zudem noch. Zudem konnte ich beobachten, dass der Spiegel der Kamera weniger Vibrationen verursacht. Man muss einfach nicht grundsätzlich bei jedem Foto vom Stativ mit der Spiegelvorauslösung arbeiten. Auch wenn das bei einer Kamera dieser Bauart durchaus anzuraten ist. Das ist aber wiederum auch stativabhängig: Carbon ist deulich leichter als Aluminmium, aber gleichzeitig bei gleicher theoretischer Festigkeit auch etwas vibrationsanfälliger. Im Klartext: Mit einem alten Manfrotto 075 braucht man das nicht. Die Massenträgheit des Systems schluckt das einfach. 

Jetzt mal Butter bei die Fische. Man will ja wissen, wie Bilder aus dem Gerät so aussehen.

Birken. Mit dem 45-85. Blende 8 bei 1/250stel Sek. ISO 800.

Wie man sehen kann, macht sich das in SW schon mal ganz gut. Ein ähnliches Bild habe ich schon mal mit der 645D und eventuell auch schon mal mit einer Fuji gemacht. Entstanden ist es in Eickenrode.

Kraftwerk Mehrum. 1/500stel Sek. bei Blende 8. ISO 800. Mit dem FA 4,5/45-85 aus der Hand.

Das Bild des Kraftwerks zeigt eine klassische Gegenlichtsituation. Aus hier wieder mit eher ungünstigen 800 ISO aufgenommen, um das Rauschen in den dunklen Partien beurteilen zu können. Meiner Ansicht nach ist es in Ordnung. Man hat ja mittlerweile Vergleichsmöglichkeiten. Ähnliches habe ich auch schon mal mit einer anderen Kamera- Objektivkombination gemacht.

Kraftwerk Mehrum die Zweite. Daten wie im letzten Bild.

Diese beiden Bilder mussten ein bisschen nachgearbeitet werden. Wer die Kamera in der Hand hält, verkantet schon mal um ein oder zwei Grad.

Feldweg im Winter. Was für ein Titel… 1/160stel Sek. bei Blende 10. ISO 800. Mit dem 4,5/45-85.

…und das Gleiche nochmal im Hochformat:

Feldweg im Winter im Hochformat. 1/200stel Sek. bei Blende 10. ISO 800. Mit dem 4,5/45-85.

Der zweite Feldweg hat eine etwas andere Belichtungszeit. Es war früh am Abend und die Lichtverhältnisse können schon mal schnell wechseln.

Hier noch mal ein paar technische Details: Aufgenommen wurde alles aus der Hand ohne Stativ mit einer Pentax 645Z. Nachgearbeitet und verkleinert wurde alles in Lightroom. Man muss halt immer noch mal ein bisschen eingreifen.

 

 

Die 645D und der Zweifach- Konverter- Test

Auf der Suche nach einer günstigen Möglichkeit, die Brennweiten meiner Objektive zu verlängern und gleichzeitig nicht zu viel Mehrgewicht mit mir herumzuschleppen, habe ich mal über die Lösung „Telekonverter“ nachgedacht und mit so ein Teil zugelegt. Es geht hierbei immer wieder um die Handgepäcktauglichkeit(Gewicht), die bei solchen Kameras ohnehin schon eingeschränkt ist.

Das Gute daran war, dass ich ihn für sehr wenig Geld und eine geringe Zollgebühr aus Kanada schicken lassen konnte: Gekauft, bezahlt und nach einer Woche kam der Paketbote mit dem Teil bei mir vorbei.

Das Schlechte daran ist, dass man mit diesem Konverter geschätzte 50% seiner linearen Auflösung verliert. Rechnet man das auf den Sensor um, heißt das, dass von den knappen 40 MP der 645D nur noch rund 25%, also etwa 10 MP zur Verfügung stehen. Das bedeutet auch, dass man größere Abzüge als etwa 50/60 eigentlich vergessen kann. Dann wird das für das geübte Auge bereits deutlich sichtbar.

Hier mal drei Bildchen:

Birke bei Peine. Ohne Konverter. Mit dem 45-85, Blende 10 bei 1/100stel Sek., ISO 400.

100%iger Crop aus dem obigen Bild.

Hier ein Ausschnitt mit dem Zweifach- Konverter. 100%- Crop.

…Der Crop dazu. Mit Konverter. Blende 22 bei 1/13tel Sek.

Die letzte Aufnahme war übrigens die schärfste, das ich aus diesem Konverter herausholen konnte: Nur verhalten abgeblendet, Stativ, Kabelauslöser, Spiegelvorauslösung, ziemlich windstill und Sonnenschein.

Ganz genau kann man das hier nicht darstellen und wissenschaftliche Gültigkeit besitzt dieser Versuch aufgrund der Herangehensweise auch nicht. Aber man kann schon mal deutlich sehen, wo das Problem liegt.

Angetestet hatte ich das Teil eigentlich schon auf meiner diesjährigen Tour in die USA; allerdings war ich aufgrund des mitgenommenen Carbonstatives nicht sicher, ob das Staiv wackelt oder der Konverter wirklich derartig große Leistungsverluste verursacht.

Meiner Ansicht nach verschlimmbessert dieser Konverter die wirklich guten Pentax- Optiken in einem Ausmaß, dass ich nicht einmal als Amateur wirklich bereit gewesen wäre, das so zu akzeptieren, wenn ich das Teil neu gekauft hätte. Habe ich aber nicht.

Am Ende zeigt sich auch hier wieder, dass man eigentlich nicht mit den Konvertern arbeiten sollte. Hier macht das nicht einmal als Notfalllösung wirklich Sinn. Wenn man allerdings auf Film schießt, kann das wiederum anders aussehen, vor allem, wenn man mit eher grobkörnigem Material arbeitet und das auch noch in Rodinal entwickelt.

Es ist also immer noch wie weiland zu Analogzeiten: Wer Qualität und Tele will, muss schleppen. Ich habe am Ende nach einiger Sucherei ein gebrauchtes manuelles 4/300 von jemanden erworben, der auf Autofokus steht und Geld brauchte.

Nicht ausprobiert habe ich allerdings den 1,4-fachen, der dem Vernehmen nach besser sein soll. Da habe ich nur sehr bescheidene Erfahrungen aus Analogzeiten, während derer ich kurzzeitig einen Sigma- Konverter an einem Nikon- Telezoom benutzt hatte.

 

 

 

Valley of Fire 2017

Auch dieses Mal zog es mich auf dem Rückweg vom Bryce Canyon wieder zum Valley of Fire bei Las Vegas. In der Hoffnung, neue Bilder zu finden und vor allem Vergessenes und Übersehenes nachzuholen und andere Bilder ein bisschen besser zu machen.

Das Valley of Fire. Übersicht.

Dieses Mal ging es auch darum, ein bisschen Schwarzweiß zu machen und mal zu sehen, wie das mit der Pentax 645D so aussieht. Hier gleich mal der erste:

Felsen in SW.

Und zum Vergleich der Bildwirkung das selbe in Grün und natürlich farbig:

Der selbe Felsen in Farbe. Natürlich nicht in Grün, sondern in Rot/Blau.

Ob die gefühlte Wüstenhitze so oder so besser herauskommt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wenn man SW zu können glaubt, kann das auch so aussehen, wie dieser Kopf hier, der bei einem Erdbeben sicher nicht mehr an der alten Stelle zu finden sein wird:

Katzenschädel. Mit einem bisschen Phantasie zumindest.

Was mir immer wieder, auch schon bei den Altvorderen, aufgefallen ist, ist der eigentlich sehr geringe Kontrast zwischen Himmel und Motivteilen mittlerer Helligkeit. Vor allem in der Mittagszeit ist das so. Andererseits hat man an einigen Stellen dort auch nur um diese Zeit überhaupt Licht und damit Kontrast, was auch nicht zu unterschätzen ist.

Hauptstraße. Ohne Autos um die Mittagszeit ist das ein seltenes Motiv.

Das Stativ konnte dieses Mal meistens im Auto bleiben, weil es hell genug für kleine Blenden und kurze Verschlusszeiten bei ISO 200-400 gewesen ist.

Noch mehr Felsen.

Das obige Bild ist vor zwei Jahren schon mal in ähnlicher Form entstanden. Aber es gibt noch mehr, das ich ähnlich schon mal gemacht  habe. Nur sind es hier im Original wesentlich mehr Pixel und damit auch mehr Auflösung.

Der Fire Canyon.

Der Fire Canyon sieht übrigens tiefer aus, als er in der Realität ist. Ich würde den Höhenunterschied vom Aussichtspunkt bis auf den Grund vielleicht auf fünf Meter schätzen. Hier noch mal ein anderer Vergleich:

Ein anderer Felsen. Hier in Farbe.

…und das Gegenstück in Schwarzweiß.

Übrigens ist es auch sehr interessant, die Reaktionen der Amis auf Mitmenschen mit dicken Kameras zu beobachten. Ich hatte dieses Mal die Pentax 645D dabei, weil mein linker Ellenbogen nach einem Arbeitsunfall operiert wurde und das Ganze für die Fujis noch zu steif gewesen ist: Ich bin schlicht und einfach nicht mit der linken Hand bis ans Objektiv gekommen und konnte sie daher einfach nicht halten, vor allem nicht mit einem Teleobjektiv.

Auch in der Wüste wächst zuweilen etwas.

Das letzte Bild zeigt nur, dass es auch in den trockensten Gegenden Vegetation gibt. Es war Anfang Mai und die Temperatur dort lag bei 38°C im Schatten. Meiner Meinung nach war es viel zu zu heiß, um großartig herumzuwandern. Als Norddeutscher ist man solche Temperaturen einfach nicht gewohnt und man muss daher ein bisschen vorsichtig sein.

Zur Technik: Hier mit einer Pentax 645D und dem FS 4,5/45-85 und dem FA 4,5/80-160. Aufgenommen als DNG. Verkleinert und ein bisschen nachgearbeitet in Lightroom 6.

 

Worauf man bei einer Hotelbuchung so achten sollte

Eine Hotelbuchung kann auch mal verwirrend sein. Fujifilm X-T2 mit 2,8-4/18-55, Blende 2,8 bei 1/174stel Sek. ISO 400. Einfache Mehrfachbelichtung, gecroppt.

…wenn man Bilder machen will

Wenn man in einschlägigen Foren unterwegs ist, stellt man gelegentlich fest, dass viele Leute es nicht so mit der Stromversorgung haben und Dinge wie einen leeren Akku als Gesetzmäßigkeit abtun. Aus meiner Sicht ist das aber keine Gesetzmäßigkeit, sondern eher etwas, das manche Leute einfach nicht konsequent zu Ende denken. Auch hier gilt: Das ist allzu menschlich und es passiert einfach. Dabei ist das recht einfach, wenn man ein paar Dinge brücksichtigt. Mindestens einen Ersatzakku nicht nur zu haben, sondern auch voll geladen zu halten, ist die einfachste Übung. Wenn man aber auf Tour ist und das Hobby ausschweifend betreiben will, komme noch einige weitere Faktoren dazu. Man sollte immer im Hinterkopf haben, dass auch die größte Powerbank irgendwann mal leerfotografiert ist, falls man überhaupt daran gedacht hat, die Stromversorgung der Kamera zu sichern. Bekanntermaßen ist nichts peinlicher als eine wegen falscher Sparsamkeit unausgegorene Stromversorgung, die dazu führt, dass man keine Bilder machen kann. In frühreren Zeiten war das einfach: Wollte man zwei Filme verfotografieren, hat man vier eingepackt.

Dass der Computer ein Laptop sein muss, sollte klar sein. Aber mir fielen noch einige Dinge auf, vor allem in älteren und dadurch preisgünstigen Häusern. Hier mal eine USA-spezifische Liste:

  • Die Steckdosen sind in älteren Häusern manchmal nicht geerdet. Dann kann man den manchmal vorhandenen Mikrowellenofen abstecken und dessen Steckdose nutzen.
  • Der Workaround liegt darin, nur Geräte mitzunehmen, die nicht geerdet sein müssen. Also nur Geräte mit Euro- Flachstecker und zweipolige Adapter.
  • Beim Laptopkauf muss das dediziert beachtet werden. Ist ein Schukostecker am Netzteil, muss das tolle Gerät im Laden bleiben.
  • Wenn man die Adapter hat, kann man sich auch ein längeres Verlängerungskabel mit Mehrfachsteckdose besorgen. Aber: Nicht überlasten! Mit einem Laptop, zwei Ladegeräten für die Kameraakkus und einem für das Smartphone ist man meistens noch auf der sicheren Seite. Es wichtig zu wissen, dass man Euro-Flachstecker- Mehrfachsteckdosen mit Verlängerungskabel nur ohne VDE-Zeichen bekommen kann. Deren Betrieb ist in Deutschland nicht zulässig. Man sollte sich daran halten und sie, wie schon gesagt, auch im Ausland nicht überlasten.
  • Die Ladegeräte für die Kamera kann und sollte man durch USB- Ladeschalen ersetzen. Diese wiederum kann man auch im Auto nutzen, wenn man an einen entsprechenden Gerätestecker gedacht hat.
  • Wer mit ausreichend Weisheit beschlagen ist, beschafft sich zu den Ladeschalen einen USB-Lader mit drei bis fünf Anschlüssen und etwa 2 Ampere Leistung je Anschluss. Dann können alle anderen Ladegeräte zu Hause bleiben. Man hat so einfach weniger Gepäck.
  • Bei der Belastung der Kabel daran denken, dass man nur die halbe Wattleistung zur Verfügung hat: Man legt 110 V zugrunde, multipliziert das mit den maximal bei solchen Kabeln möglichen 2,5 Ampere und kommt auf 275 Watt, die das Konstrukt als Maximum vertragen kann. Wie oben erwähnt, das genannte Kit aus Laptop, zwei Batterieladern und einem für das Telefon endet bei etwa 90-200W, je nach Nutzungsart. Kommt der Fön dazu, gibt es Feuer!

Man sollte schon bei der Online- Buchung schon darauf achten, dass ausreichend Steckdosen vorhanden sind. Auf den Bildern der Hotelzimmer kann man meistens schon erkennen, wo welche zu finden sind. Will man sich die Haare unbedingt elektrisch trocknen, sollte man das nur an der Steckdose im Bad tun. Und an einen separaten und geerdeten Adapter mit Schuko- Anschluss denken. Gleiches gilt natürlich, wenn das Ladegerät für den Laptop entgegen meinen Empfehlungen einen Schukostecker hat. Dann sollte man „alles in Schuko machen“, weil es logistisch einfacher ist.

Eine weitere noch nicht erwähnte Möglichkeit ist auch, sich im nächsten Supermarkt mit einem US-Verlängerungskabel einzudecken. Die gibt es in der zweiadrigen Variante für Stromstärken bis 13 Ampere. Aber auch hier gilt, dass man, sobald irgendwas mit einem Eurostecker ins Spiel kommt, ab dem Eurostecker nicht über die oben genannten 275 Watt gehen sollte. Sinnvoll ist das allerdings nur, wenn man öfters in die USA fliegt. Diese Kabel haben meistens drei Ausgänge, so dass man sich mit billigen Eurostecker- Adaptern aus dem Versandhandel behelfen kann. Wichtig zu wissen ist allerdings, dass meistens nur Längen bis 15′, also etwa 4,5 Meter, wirklich in den Supermärkten zu haben sind. Als sinnvoller haben sich allerdings mindestens 7,5 Meter erwiesen.

Man sollte auch das hier beachten: Wenn man die komplette Stromversorgung auf „USA“ umstellt, wie ich es vorhatte, kann das beim Zoll zu Problemen führen, wenn man am grünen Ausgang kontrolliert wird. Diese Probleme kann man mit den Adaptern vermeiden, weil dann offensichtlich ist, dass die Sachen in der EU gekauft wurden.

Woher das Ganze kommt, sollte klar sein: Ich war jetzt das dritte Mal mit Digitalzeug in den USA unterwegs und habe meine Erfahrungen gemacht und ausgewertet. In Europa ist das anders: Die Schukosteckdosen sind häufig anzutreffen; in Frankreich braucht man eigentlich keinen Adapter, wenn der Stecker der Mehrfachsteckdose eine Bohrung im Schutzkontakt hat; bis Norditalien und in Polen sind sie auch verbreitet; die Niederländer nutzen sie auch und die Flachstecker passen fast überall. Immer adaptieren muss man in Großbritannien, in Dänemark(Flachstecker passen aber) und der Schweiz.