
Geflirtet und nachgedacht. Und dann das Ganze noch einmal. Und das über einige Monate. So erging es mir dieses Mal mit einem Superweitwinkel- Zoom, das mein Objektivkit in den Weitwinkelbereich hinein ergänzt.
Ich hatte schon mal ein Fujifilm XF 4/10-24, das mit der X-T2/Pro2- Kombi gut funktioniert hat; soll heißen, es war in Ordnung; aber man musste auch Kompromisse eingehen und sich um ein paar Macken herumarbeiten. Ein wirklich großer Fauxpas war z.B. die weiße Typbeschriftung auf dem Ring innerhalb des Filtergewindes: Die und das Objektiv selbst waren beim Einsatz von Steckfiltern im Seiten- oder Gegenlicht deutlich erkennbar, wenn man mit 10mm Brennweite gearbeitet hat und das Objektiv abgeblendet gewesen ist. Allerdings gab es zum Kaufzeitraum auch noch keine echten Alternativen dazu. Das ebenfalls vorhandene 2,8/14 war keine echte Alternative dazu und ist es bis heute nicht. Die vier Millimeter am kurzen Ende fehlten mir einfach. Also habe ich es halt gekauft. Ein paar Jahre später musste es wieder gehen; ich hatte eine kleine Lücke im Budgetplan für die damals erworbene GFX 50R. Und wie schon gesagt: Es war ausreichend gut, aber eben nicht herausragend.

Von Canon habe ich auch noch was Gebrauchtes in meiner Videokiste. Das ist ein altes EF-S 3,5-4,5/10-22, das mit der 7D MkII von denen sehr gut zusammenspielt; aber leider kein guter Partner der Fujis ist: Ich komme damit nicht an wirklich scharfe Bilder. Weder mit der X-H2S noch mit der X-T5 ist das der Fall. Das 10-24 ist zwar wie oben beschrieben eine recht gute Linse; aber aus meiner Sicht wäre für das Update nicht nur eine Wasserabdichtung gut gewesen, sondern auch ein neu gerechneter oder überarbeiteter Linsensatz. Das gute Stück war schon bei 24MP Auflösung „auf Kante“ genäht, was man auch sehen konnte. Aber es war halt besser als nichts in dieser Richtung.

In genau diese Bresche ist Sigma gesprungen. Das Objektiv kann vor allem drei Dinge: Es ist scharf, in allen Brennweiten, und es ist sehr klein. Die Lichtstärke liegt bei 2,8. Aber Einschränkungen gibt es hier auch: Es ist nicht stabilisiert und nicht spritzwassergeschützt. Und die längste Brennweite liegt bei 18 statt 24mm. Irgendwo muss man immer Konzessionen machen.

Man sollte wissen, dass es kein „professionelles“ Objektiv ist, sondern das sich diese Linse aus der Contemporary- Serie an den Amateur wendet, der etwas relativ Günstiges mit hoher Lichtstärke und guter Abbildungsleistung sucht. Die Materialwahl an sich würde ich „einfach“ nennen; hier bedeutet das, dass der Tubus aus Kunststoff besteht, was das Filtergewinde einschließt. Allerdings ist die Verarbeitungsqualität des Materials gut bis sehr gut. Man sollte bei der Nutzung desselben ein bisschen vorsichtig sein; sonst währt die Freude daran wahrscheinlich nicht lange. Alternativ könnte man auch einen Schutzfilter oder einen Gewindeadapter draufschrauben und arbeitet eben mit 77er statt mit den vorgesehenen 72er Filtern. Wenn man von Zeit zu Zeit mit Steckfiltern arbeitet, ist das bei einem Objektiv dieser Bauart ohnehin Maßnahme der Wahl, um mögliche Vignettierungen in den Bildecken zu vermeiden. Das soweit zum Objektiv.

Was ich bis hierhin sagen kann
Bisher wurde ich nicht enttäuscht. Aber diese Liebe ist noch ein bisschen heiß; ich habe das Objektiv gerade erst drei Tage und dachte, ich setze mich mal an den Rechner und schreibe ein bisschen was dazu.
Testen konnte ich es bisher nur in meiner Gegend. Aber: um die Detaildarstellung einschätzen zu können, eignen sich die Wälder hier in der Gegend um Peine herum hervorragend: Wenn eine Linse das nicht kann, klappt das nicht mit mir und dem guten Stück. Hier sieht es ganz danach aus, dass es klappt. Auch, wenn ich -wie hier- die Bilder schon mal mit einer anderen Kamera gemacht habe…

Zudem bin ich das erste Mal von meiner Leitlinie abgewichen, Objektive für das X-System nur vom Kamerahersteller zu kaufen. Wenn möglich, natürlich aus Zweiter Hand und neuwertig. Vielleicht hätte ich das auch schon früher getan, aber die ersten Fremdobjektive, die nicht aus der absoluten Billigecke kommen, gab es erst einige Jahre nach Erscheinen des Systems. Und das Problem eines neuen Systems ist das, dass es relativ schnell zusammengestellt werden muss, damit man nicht mit Gerät von verschiedenen Herstellern herumhantieren muss. Auf der anderen Seite waren viele Objektive von Fujifilm nach meinen Erfahrungen besser und billiger als Canons L-Linsen an einem Kleinbildsensor ähnlicher Auflösung, deren Konstruktionen teilweise noch aus den frühen 1990er Jahren stammten. Mittlerweile sollte das aber überholt sein und wirklich schlecht waren die Sachen von Canon in der Praxis auch nicht. Im Gegenteil; einiges war sogar herausragend. Das RF- System von denen hat etliche Verbesserungen hinsichtlich der Objektivqualität bei Canon gebracht. Teurer geworden ist es leider auch. Aber das ist nicht nur bei Canon so, sondern auch bei den meisten anderen.

Was vielen Mitmenschen nicht klar ist: Sowohl Canon als auch Fujifilm sind neben Zeiss und Schneider sehr rennomierte Lieferanten für professionelles Filmgerät; hier natürlich von Objektiven. Einiges von Canon, z.B. das 3,5-5,6/18-135 IS STM und das EF-S 3,5-4,5/10-22 nutze ich selbst an einer kleinen Blackmagic- Kinokamera. Das sind zwar Fotoobjektive, aber die Qualität ist durchaus gut und für Videos bis 6K Auflösung nutzbar, ohne dass die Bilder schlecht aussehen.
Genug des Geredes und ein bisschen was zur Technik: Bis auf das Titelbild und das Foto vom Tenaya Lake sind die gezeigten Bilder mit Fujis T-T5 und dem Sigma Contemporary 2,8/10-18 entstanden. Nacharbeit und Korrekturen mit Capture One.
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