Campen und Fotografie – geht das?

Nach einem langen Winter und einem Trauerfall in meiner Familie wird es mal wieder Zeit, zu neuen Ufern aufzubrechen.

Das Coronavirus hält uns alle noch in seinem Bann. Sonst wäre ich mit im Moment mit einem gemieteten Wohnmobil in Südfrankreich unterwegs. Gedacht ist das als Testlauf für meinem Ruhestand, bis zu dem es auch nicht mehr allzu lange dauert: Acht Jahre sind schnell vergangen. Es geht darum, herauszufinden, ob z.B. ein kleiner Camper als Kastenwagen für einen längeren Aufenthalt ausreichend ist. Man kann so einfach deutlich näher an einige Motive heranfahren, wenn man spät am Abend einen Parkplatz in der Nähe findet. Der Rest der Strecke soll dann mit einem kleinen Motorrad oder -Roller erledigt werden.

Heku- Camper. Ein sehr interessantes Konstrukt aus den frühen 1990ern. So etwas ist eher was für Liebhaber solcher Fahrzeuge. Ich habe ihn nicht gekauft.

Das macht die Suche nach einem geeigneten Mobil noch nicht allzu schwierig. Bis hierher ginge es im Grunde mit jedem geeigneten fertigen Fahrzeug. In meinem Pflichtenheft stehen momentan für eine später geplante ausgedehnte Nordamerikatour allerdings noch einige wichtige Dinge, die so ein Fahrzeug nicht oder nur teilweise bietet:

  • Die Beheizung soll mit dem Treibstoff(Diesel) erfolgen.
  • Der Kocher soll nach Möglichkeit ebenfalls ein Dieselgerät werden. Was aber noch offen ist.
  • Das Fahrzeug braucht entweder eine ausreichend große Heckgarage oder eine Transportplattform, um ein kleines Motorrad mitnehmen zu können.
  • Mindestens zwei komplette Ersatzräder sollen auch mitreisen.
  • Diese Räder sollten, wie auch die am Fahrzeug, aus Stahl sein. Aluminiumfelgen sind nicht so leicht zu reparieren, wie sich bei einer Reifenpanne mal gezeigt hat: Alufelgen muss man bei einem Schaden eigentlich immer ersetzen; Stahlfelgen kann man notfalls mit einem Hammer richten.
  • Ersatzteile wie Keilriemen und Luftfilter reisen auch mit
  • „Grundwerkzeug“ dafür muss damit auch mit. Eine Knarrkiste und ein Satz Schraubenschlüssel brauchen auch ihren Platz.
  • Als Campingmöbel kommen nur ein kleiner Tisch und zwei Stühle mit.
  • Das Fahrzeug soll keine Markise besitzen.
  • Eine 300Watt- Solaranlage soll einen elektrischen Kühlschrank und Geräte wie Kameras und Laptop mit Strom versorgen.
  • Viele USB-C- Steckdosen. Etwa so: 2x Akkulader, 1x Laptop, 1x Telefon, 1x Raid- System zur Datensicherung, 2x Sonstiges.
  • Zusätzlich zwei oder drei 12V- Gerätesteckdosen, um z.B. auch einen Spannungswandler daran betrieben zu können.
  • 230V- System separat, zwei bis drei Steckdosen.
  • Speicherbatterien für etwa drei bis vier Kilowattstunden.
  • LiFePo- Akkus sind hier angedacht.
  • Ein 2KW-Stromerzeuger für Schlechtwettersituationen ist auch angedacht, um diese Batterien bei schlechtem Wetter laden zu können.
  • Der Stromerzeuger muss ein leises Gerät sein.
  • Das Bett sollte nicht breiter als 1,4 Meter und quer im Heck eingebaut sein.
  • 100l Wasser- und Abwassertanks innerhalb der Kabine(Frostsicherung) und möglichst zwischen beiden Achsen. Am besten in einem Zwischenboden.
  • Das Klosett(ja, auch darüber muss man reden) soll eine Trockentoilette werden. Es ist einfach umweltfreundlicher.
  • Dusche aus Edelstahl. Nicht schön, aber robust.

Damit wird klar, wie das Fahrzeug aussehen soll:

  • Hohe Bauweise.
  • Nicht länger als sechs Meter.
  • Motor mit mindestens 140 PS
  • Fiat Ducato oder Mercedes Sprinter wegen der USA- Kompatibilität.

Der Ducato hat die Schwäche, dass er in den USA mit anderen Motoren als in Europa ausgeliefert wird. Ob man für die europäischen Motoren Ersatzteile bekommen kann, muss noch geklärt werden. Beim Sprinter geht das probemlos. Dessen Motoren sind identisch mit den Maschinen aus Europa. Auf der anderen Seite: Die in Mexiko mit dem Ducato vertriebenen Motoren entsprechen denen in Europa. Dieser Aspekt muss geklärt werden. Immerhin betreibt Fiat auch eigene Vertretungen in den USA; oft handelt es sich um Jeep- Händler, die auch Fiat im Angebot haben.

Am Ende wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit wegen des Platzangebots auf einen Ducato hinauslaufen, weil das Fahrzeug breiter und nach meinen bisherigen Erkenntnissen von insgesamt besserer Qualität als das Daimler- Produkt ist.

Testlauf…

Natürlich sollte man sich im Klaren darüber sein, dass man so einen Campervan nicht einfach ins Blaue hinein kauft oder baut. Ausgedehnte Besichtigungen sagen aber schon aus, dass die meisten der fertigen Fahrzeuge nicht den oben genannten Wünschen entsprechen. Eine weitere Suche sagt aus, dass ein Individualausbau von einem Spezialisten sehr teuer wird. Das kann dann schnell mal 100.000 Euro teuer werden, bis das Fahrzeug so ist, wie es sein soll.

Dann muss auch noch herausgefunden werden, wie groß das Fahrzeug werden soll: Kleiner wäre besser. Man muss also das kleinste Fahrzeug wählen, das zumindest schon mal in Ansätzen die genannte Ausstattung besitzt. Die Energieversorgung und solche Dinge spielen hier noch keine große Rolle. Es geht vor allem um die Größe und den benötigten Stauraum: Reicht es für drei bis vier Wochen, geht das Ganze auch länger. Man kann so schon mal in der Praxis klären, ob z.B. die gewünschten zwei Ersatzreifen nebst Werkzeug und einigen Ersatzteilen vernünftig untergebracht werden können. Dann ist z.B. auch wichtig, dass man in einigen Nationalparks in den USA keine Nahrungsmittel über Nacht im Fahrzeug lagern darf. Das Risiko eines Besuchs durch die dort heimischen Bären verbietet das. Ein fest eingebauter Kühlschrank ist an dieser Stelle also ziemlich sinnfrei; die überall angebotenen Bear- Locker sind aber groß genug, um eine Kompressor- Kühlbox darin unterbringen zu können: Die Kühlbox sollte also groß und klein genug sein, damit beides irgendwie passt. Und sie braucht Rollen, damit man das gefüllte Gerät bewegen kann, ohne es auszuräumen. Maße dafür bietet z.B. die dortige Nationalparkverwaltung. Nur um mal ein Beispiel zu nennen.

Ein anderes Beispiel ist die Versorgung mit Brennstoff; vor allem sei hier an Propangas gedacht. Recherchen haben z.B. ergeben, dass man deutsche Druckregler an amerikanische Flaschen nicht nur adaptieren kann; sondern auch, dass diese Adapter leicht zu beschaffen sind. Auch herausgefunden habe ich bereits, dass man die leeren Gasflaschen entweder tauschen oder wiederbefüllen kann. Diese Flaschen fassen etwa 9 Kg. Zum Heizen reicht das wahrscheinlich nicht; aber kochen kann man mit dieser Gasmenge durchaus eine ganze Weile. Dann sind kanadische Flaschen nicht unbedingt in den USA zulässig: Man kann sie eventuell nicht nachfüllen. Der Camper sollte also zwei Stellplätze für die Flaschen haben. Das muss man dann abwägen: Der oben erwähnte Dieselkocher kann eine Alternative sein; es hängt am Ende aber von den persönlichen Präferenzen ab.

Beispiel Nummer drei wäre die Stromversorgung: In den USA sind die Stromanschlüsse auf Campingplätzen in der Regel mit 30 Ampere abgesichert und man hat andere Stecker als die bei uns gängigen 110V- Adapter fürs Hotel. Wenn man an die deutschen Schuko- Steckdosen adaptieren will, wird an dieser Stelle mindestens ein Sicherungsautomat zur Pflichtübung. Das kann man schon im Fahrzeug so vorsehen, weil es ohnehin Vorschrift ist, muss dann aber zumindest das Kabel von der Steckdose bis zum Fahrzeug dicker ausführen. Zu beachten ist dabei, dass man so einen Laptop betreiben oder ein paar Kameraakkus laden kann, dass aber eine Kaffeemaschine nicht daran funktionieren wird; ebensowenig wie ein Mikrowellenherd. Zum Aufladen der Bordbatterien reicht es ebenfalls noch, aber nicht zum Betrieb einer klassischen Klimaanlage. Man braucht in den letzten beiden Fällen andere Lösungen.

Der Stromanschluss muss adaptiert werden, weil ein Mehrnormenumbau schnell kompliziert werden kann. Die Steckdosen auf den Campingplätzen sind meistens für Ströme um 30 oder 50 Ampere ausgelegt; manchmal gibt es noch welche für 15 Ampere. Nur in letztere passt der überall vertriebene Adapterstecker, der normalerweise für das Hotelzimmer gedacht ist. Wenn man das imaginäre System wie oben beschrieben betreibt, reicht das sogar. Es ist aber nicht sicher, dass man diese Steckdosen auch auf jedem Platz vorfindet. Alles andere muss adaptiert werden. Das wiederum bedeutet, dass man irgendwo auf der Strecke Steckdose -> Camper eine zusätzliche Sicherung und einen FI- Schutzschalter zwischenschalten muss, wenn das nicht im Fahrzeug zusätzlich verbaut ist. Dann braucht man einen 50/30A Adapter(Gibt es in Campingstores in den USA) und einen 30A- Stecker nebst CEE-Kupplung, um auf das europäische System adaptieren zu können.

Beute…

Das Auto: Ein 1999er Forsd Transit. Erstzulassung Dezember 2000. Das ist mein Testwagen.

Nun denn. Das sind die Maximalforderungen, die sich am besten in einem Eigenbau umsetzen lassen. Man kann aber auch einen anderen Weg gehen und mit einem Gebrauchten anfangen. Das ist auch noch kein billiges Vergnügen. Man muss hier einige Bedingungen setzen:

  • Robustheit geht über Hochtechnologie.
  • Einen Sprinter würde ich nicht kaufen. Auch keine alten VW LTs oder Crafter. Beides sind Gernroster, deren Karossen die insgesamt schlechteste Qualität bieten. Die Motoren sind aber in Ordnung.
  • Das Auto sollte einigermaßen rostfrei sein.
  • Es sollte im Auto nicht stinken. Leichter Klosettgeruch im Bad ist bei alten Fahrzeugen aber normal und kann häufig durch die Sanierung des Klos beseitigt werden.
  • Die erstgenannten Dinge sind die wichtigsten. Den Rest kann man sich mit wenig Aufwand selbst schaffen und im nächsten Fahrzeug weiternutzen.
  • Der Gasflaschenkasten sollte normgerecht sein, also dicht und einen Luftaustritt im Boden haben. Sollte das nicht der Fall sein, Fahrzeug nicht kaufen.
  • Die Standheizung sollte von Eberspächer sein. Man kann sie leicht gegen ein anderes Modell der chinesischen oder tschechischen Konkurrenz austauschen. Das ist billiger als eine Wartung eines deutschen Modells.
  • Wenn man -wie  bei Westfalia- eine proprietäre Zentralsteuerung hat und diese bereits Defekte aufweist, ist es billiger und meistens auch zweckmäßiger, diese gegen etwas anderes im Heck auszutauschen. Schaudt oder Votronic sind da hilfreich; ein Eigenbau ist auch denkbar.

Bei mir wurde es am Ende ein alter Ford Nugget. Das Fahrzeug hat einige Mängel, die sich aber mit vergleichsweise wenig Aufwand und etwas Hirnschmalz beseitigen lassen. Zeit muss man aber investieren. Z.B. waren in meinem Fahrzeug noch Bordbatterien von 2001 verbaut, die allerdings defekt waren und der Zustand der Lichtmaschine war auch nur noch der drittbeste.

Ausgetauscht: Der Stromfluss war nicht korrekt und der Regler defekt. Das ist eine eher häufige Ursache für Batteriedefekte wie bei diesem Fahrzeug.

Es gibt auch Dinge, die man in diesem Fahrzeug auch nachrüsten kann. Meine Version hat einige Dinge nicht eingebaut, die zwar wünschenswert sind, aber im Original auch eine hübsche Stange Geld kosten können. Das beginnt bei der Kühlung(eingebaute 20l- Box 900 Euros gebraucht!) und endet nicht bei der Wasserversorgung.

Blick ins Auto. Hier nboch vor dem Beginn des Umbaus.

Dann kommt dazu, dass die Schränke im Heck eher unzweckmäßig sind. Die Türen sind zu klein für Euroboxen. Ein wirklich gutes Stauraumkonzept bieten auch die neueren Nuggets aus meiner Sicht nicht. Ein Fach für ein Notfallklosett ist in diesem Fahrzeug nicht vorgesehen. Man muss also umbauen, wenn man genau das will.

Im Bild oben sieht man das wichtigste Camperutensil überhaupt. Eine Kühlbox; in meinem Fall ein Mobicool- Modell mit 40 Litern Fassungsvermögen, das sich bereits als ausreichend erwiesen hat.

Wie man einen alten Ford startet…

Links siehr man eine Zugerußte Kerze; rechts eine neue.

Die oben gezeigte Flammkerze war übrigens intakt, aber völlig verrußt. Nach einem nächtlichen Bad in alter Bremsflüssigkeit funktionierte sie sogar wieder. Ich habe sie trotzdem gewechselt und den Ansaugkanal gereinigt. Genau: Das ist eine Besonderheit im alten Transit: Es gibt keine Glühkerzen, sondern das oben Gezeigte. Und es handelt sich um eine Sonderausstattung, die vor allem in Fahrzeugen für den nordeuropäischen Markt zu finden ist.

Was sich auch herausstellte und was wahrscheinlich der Grund für den Verkauf gewesen sein sollte, ist der schlecht funktionierende Anlasser. Dieser wurde schon mal getauscht und erwies sich als zu schwach. Hier muss man wissen, dass es mehrere Modelle gibt, die alle in das Fahrzeug passen. Die Dinger unterscheiden sich in erster Linie durch ihre Leistung: Man bekommt sie mit einer Leistung von 2,2 bis 3,0 KW. Eingebaut war das schwache Modell, das nicht in der Lage war, das den Motor schnell auf eine ausreichende Drehzahl zu bringen, damit die Selbstzündung des Motors auch wirklich funktioniert. Man muss das Aggregat auf mindestens 50/Min. bringen, damit das geht. Ich vermute auch, dass das eine Ursache für den verstopften Ansaugkanal war: Mit dem vorhandenen Starter musste man etwa 20 Sekunden orgeln, bis das ging. Eingespritzt wird während dieser Zeit immer und das Gemisch ist dann zumindest am Start zu fett. Jetzt sind das nur noch weniger als zwei(bei gutem Wetter). Das kann deshalb ein kräftiger Anlasser besser; also musste dieser einem aufgearbeiteten Teil weichen. Das Neuteil hat drei KW Leistung. Der Anschluss musste hierfür etwas geändert werden; man muss das vorhandene Anschlussmodul dazu entfernen. Einfach mit einem Seitenschneider abkneifen.

Das Anschlussmodul: Serveiceunfreundlich und nicht passend zum neuen Anlasser.

Vergleich zur Verdeutlichung. Der Schwarze ist der Neue, ein aufgearbeitetes 3KW- Modell.

Hierbei sollte man auch auf den Kabelquerschnitt achten: Bei meinem waren 25qmm verbaut, was für diesen Anlasser mit der gegebenen Kabellänge gerade noch ausreichend ist. Das Kabel kann auch mal dünner sein, daher sollte man das nachprüfen und eventuell wechseln. Einen passenden Kabelschuh kann man auf das vorhandene Kabel aufcrimpen, wenn das Kupfer noch blank ist, wie bei mir. Ansonsten würde ich das Kabel austauschen.

Zusaätzlich habe ich als Resultat aus einigen Diskussionen in diversen Foren auch das Flammstartgerät gebrückt, das im Normalfall erst bei Temperaturen deutlich unter Null Grad aktiv wird. Das kann man direkt an der Glühkerze tun und diese manuell aktivieren oder man greift zur intelligenteren Lösung und löst den Start des Gerätes mit einem Taster aus. Letztere Lösung wurde meine: Im Motorraum gibt es einen Diagnoseanschluss, mit dem man den Temperatursensor des Startgeräts brücken kann: Zwei Bananenstecker, drei Meter Anhängerkabel und ein 50A- Taster im Auto übernehmen den Job, falls das notwendig sein sollte. Taste drücken, Schlüssel umdrehen, bis die Lampe aufleuchtet und Taster loslassen. Dann einfach vorglühen lassen und starten…

To be continued…

Zu den Bildern: Es sind reine Dokumente ohne künstlerischen Anspruch. Daher handelt es sich um unbearbeitete Bilder aus einem Sony- Smartphone, die einfach nur den Ist- Zustand zeigen sollten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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