{"id":98,"date":"2012-11-04T16:25:45","date_gmt":"2012-11-04T16:25:45","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.klicklack.de\/?p=98"},"modified":"2026-04-05T00:57:04","modified_gmt":"2026-04-04T22:57:04","slug":"pseudowissenschaftliche-objektivtests-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klicklack.de\/?p=98","title":{"rendered":"Pseudowissenschaftliche Objektivtests Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Grunds\u00e4tzlich gilt in der Fotografie eine Regel: Das beste Ger\u00e4t zum Fotografieren ist das, das man gerade dabei hat. Das bedeutet, dass man beim Ert\u00f6nen der eigenen Motivklingel auf jeden Fall sein Foto machen sollte, auch wenn die gerade mitgef\u00fchrte Kamera nicht die beste ist, die man zur Verf\u00fcgung hat.<\/p>\n<p>Dann sollte man bedenken, dass absolute Bildsch\u00e4rfe ein Ding ist, das mit normalen Mitteln ohnehin nur begrenzt zu realisieren ist. Wer Bildsch\u00e4rfe darstellen will, der sollte nicht digital arbeiten. Man sollte das auch nicht mit einer Leica, Canon oder sonstwas machen, sondern sich eine 8&#215;10 inch- Gro\u00dfbildkamera anschaffen und dann die Handlingnachteile in Kauf nehmen. Zu dieser Kamera braucht man zudem noch weitere Ger\u00e4tschaften wie ein geeignetes Vergr\u00f6\u00dferungsger\u00e4t und vor allem einen Platz, an dem das ganze Zeug station\u00e4r stehen kann. In einer Ecke des Schlafzimmers wird das nicht gehen.<\/p>\n<p>Wichtiger als der Aspekt der absoluten Bildsch\u00e4rfe ist daher die Aufnahmesituation: Sportfotos als Extrembeispiel lassen sich mit der oben genannten Ausr\u00fcstung kaum erstellen; bei Landschaften wird das vor allem bei windigem Wetter ebenfalls sehr schnell grenzwertig: Die kleinste Bewegung eines Astes an einem Baum sorgt bereits f\u00fcr Unsch\u00e4rfe.<\/p>\n<p>Das soll Interessierte aber nicht davon abhalten, die Qualit\u00e4t der gekauften Objektive auf Fehler zu \u00fcberpr\u00fcfen. Vor allem bei hochwertigen und damit teuren Linsen will man ja schon wissen, ob das Ding sein Geld wirklich wert ist. Man kann auf dem gezeigten Weg durchaus feststellen, ob das Objektiv dezentriert ist, ob die Aufl\u00f6sung f\u00fcr Monsterabz\u00fcge reicht und ab wann das getestete Objektiv seine maximale Qualit\u00e4t erreicht.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr sollte das aufgezeigte Verfahren ausreichen. F\u00fcr Objektivit\u00e4t im Hinblick auf theoretische Qualit\u00e4tsaspekte gen\u00fcgt es allerdings nicht.<\/p>\n<p>Das n\u00f6tige Equipment:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Kamera<\/li>\n<li>Das Objektiv<\/li>\n<li>Entweder ein Studioblitz mit ausreichendem Regelbereich oder ein wie auch immer gearteter TTL- tauglicher Blitz, der mit der Kamera kompatibel ist. Ein alter &#8222;Computerblitz&#8220; mit eingebautem Lichtsensor geht auch daf\u00fcr.<\/li>\n<li>Blitzbelichtungsmesser, wenn man mit einem Studioblitz arbeitet<\/li>\n<li>einen Siemensstern, eine heruntergeladene Version aus dem Netz reicht; der Ausdruck davon sollte allerdings sehr hochwertig sein.<\/li>\n<li>Kamerastativ und&#8230;<\/li>\n<li>ein Whiteboard, eine Zimmert\u00fcr oder \u00e4hnliches, woran man den Stern befestigen kann<\/li>\n<li>Eine Bildbearbeitungssoftware hochwertiger Qualit\u00e4t<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Reihenfolge:<\/p>\n<ul>\n<li>Zuerst einmal den Siemensstern aus dem Netz herunterladen, ausdrucken und an der erw\u00e4hlten Fl\u00e4che befestigen.<\/li>\n<li>Die niedrigstm\u00f6gliche Empfindlichkeit der Kamera einstellen(meistens ist das ISO 100-200)<\/li>\n<li>Die Kamera mit dem erw\u00e4hlten Objektiv schussbereit machen und auf das Stativ setzen<\/li>\n<li>Abstand von ein bis 1,5 m einstellen<\/li>\n<li>Die Bildmitte auf das Zentrum des Sterns ausrichten.<\/li>\n<li>Belichtungsreihe anfertigen: Offen, zwei Blenden geschlossen, drei Blenden geschlossen und bei kleinster Blende<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als Kamera muss hier die Fujifilm X-Pro1 herhalten, als Objektiv dient das Fujinon XF 1,4\/35mm.<\/p>\n<p>Die Aufl\u00f6sung des Kamerasensors ist 3264&#215;4298 Pixel. Und nicht vergessen: Ein Objektiv ist aus physikalischen Gr\u00fcnden eigentlich immer rund, ud die Linsen sind es auch. Das bedeutet, dass das Bild, das das Objektiv zeigt, ein rechteckiger Kreisausschnitt ist.<\/p>\n<p>Diese beiden Zahlen sind wichtig, h\u00f6her als der Sensor kann auch das Objektiv nicht aufl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr dieses Vorgehen liegen darin, dass man Objektive grunds\u00e4tzlich mit einer Entfernung testet, bei der die Leistung tendenziell am schlechtesten ist. Bei normalen Objektiven ist das der Nahbereich, bei Makroobjektiven sind das eher weiter entfernte Objekte. Zudem sollte man beachten, dass die Aufl\u00f6sung eines Objektives bis zu einer bestimmten Blende zunimmt und danach mit kleiner werdender Blende wieder sinkt. Das Optimum im Hinblick auf die reine Bildqualit\u00e4t sollte sich etwa zwei bis drei Blenden unterhalb der maximalen Lichtst\u00e4rke befinden.<\/p>\n<p>Dann k\u00f6nnen wir schon mal starten. Zuerst einmal \u00f6ffnen wir das erste Bild, an dieser Stelle stammt das aus einer Fuji X-Pro1 mit dem 1,4\/35mm. Ich nehme den Photoshop dazu her.<\/p>\n<p>Das sieht dann sinngem\u00e4\u00df so aus:<\/p>\n<figure id=\"attachment_99\" aria-describedby=\"caption-attachment-99\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.klicklack.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/volltestbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-99\" title=\"volltestbild\" src=\"https:\/\/blog.klicklack.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/volltestbild.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"667\" srcset=\"https:\/\/www.klicklack.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/volltestbild.jpg 1000w, https:\/\/www.klicklack.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/volltestbild-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.klicklack.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/volltestbild-449x300.jpg 449w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-99\" class=\"wp-caption-text\">Angetaped und abgelichtet. Wir sind pseudowissenschaftlich&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dann sucht man sich den Ausschnitt aus dem Zentrum des Sterns, der gerade noch unscharf ist und stellt diesen frei, etwa so:<\/p>\n<figure id=\"attachment_101\" aria-describedby=\"caption-attachment-101\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.klicklack.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/141.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-101\" title=\"14\" src=\"https:\/\/blog.klicklack.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/141.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"626\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-101\" class=\"wp-caption-text\">Hier der Ausschnitt. Vergr\u00f6\u00dfert etwa zehnfach, daher durch Interpolation unscharf. Erkennen kann man den Verlauf aber trotzdem<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das gefunde gerade unscharfe Bild hatte an dieser Stelle eine Gr\u00f6\u00dfe von 35&#215;73 Pixeln. Damit kann man schon mal rechnen.<\/p>\n<p>Wir kennen jetzt die Gr\u00f6\u00dfe des unscharfen Bereiches, das sind in der Vertikalen 73 Pixel. Der Siemensstern verf\u00fcgt \u00fcber 90 Schwarz- Weiss- Wechsel. Damit haben wir die erste Berechnung:<\/p>\n<p>73\/90=0,811&#8230;<\/p>\n<p>Dann den Kehrwert ermitteln:<\/p>\n<p>1\/0,811&#8230;= 1,233<\/p>\n<p>Wir habe eine maximale Sensoraufl\u00f6sung von 3264 Pixeln, die die Kamera zu bringen vermag.<\/p>\n<p>1,233*3264=4024,661<\/p>\n<p>Das ist die maximal Anzahl der Schwarzweisswechsel, die das Objektiv bei offener Blende(1,4) darstellen kann. In Prozenten ausgedr\u00fcckt sind das 81% horizontal im Nahbereich.<\/p>\n<p>Versuch zwei, Blende 4: Ermittelt habe ich 60(Horizontal) Pixel, hier in zehnfacher Vergr\u00f6\u00dferung:<\/p>\n<figure id=\"attachment_102\" aria-describedby=\"caption-attachment-102\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.klicklack.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/40.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-102\" title=\"40\" src=\"https:\/\/blog.klicklack.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/40.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.klicklack.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/40.jpg 300w, https:\/\/www.klicklack.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/40-150x300.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-102\" class=\"wp-caption-text\">30&#215;60 Pixel in zehnfacher Vergr\u00f6\u00dferung&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die selbe Berechnung, hier mit den neuen Zahlen:<\/p>\n<p>60\/90=0,666&#8230;<\/p>\n<p>1\/0,666= 1,5<\/p>\n<p>1,5*3264=4896<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass hier ein Qualit\u00e4tsmaximum erreicht ist, die 4896 Pixel entsprechen exakt der Horizontalaufl\u00f6sung der Kamera!<\/p>\n<p>Geht es nur darum, die Maximalaufl\u00f6sung des im Bildzentrum des Objektivs zu ermitteln, ist der Test hier eigentlich zu Ende. Man kann aber noch mal mit Blende 8 weitermachen, um sich abzusichern.<\/p>\n<p>Auch hier wieder in zehnfacher Vergr\u00f6\u00dferung:<a href=\"https:\/\/blog.klicklack.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/80.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-103\" title=\"80\" src=\"https:\/\/blog.klicklack.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/80.jpg\" alt=\"\" width=\"330\" height=\"700\" srcset=\"https:\/\/www.klicklack.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/80.jpg 330w, https:\/\/www.klicklack.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/80-141x300.jpg 141w\" sizes=\"auto, (max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dieses Bild hier ist \u00fcbrigens sehr interessant: Die Horizontalaufl\u00f6sung ist hier nicht gleich der Vertikalaufl\u00f6sung, rechnen wir mal nach.<\/p>\n<p>Ermittelt habe ich hier 33(horizontal ab Bildmitte, also 66)* 70 Pixel(vertikal).<\/p>\n<p>Vertikale Aufl\u00f6sung:<\/p>\n<p>70\/90=0,777&#8230;<\/p>\n<p>1\/0,777= 1,2857<\/p>\n<p>1,2857*3264=4196<\/p>\n<p>Horizontal kommt das zusammen:<\/p>\n<p>66\/90=0,733&#8230;<\/p>\n<p>1\/0,733= 1,3636&#8230;<\/p>\n<p>1,3636*3264=4450<\/p>\n<p>4450\/4896=0,91 oder 91 %<\/p>\n<p>Das ist immer noch ein sehr guter Wert, aber man kann sehr gut erkennen, dass die Aufl\u00f6sung bei diesem Exemplar ab Blende 8 mit Sicherheit abnimmt. Mit 5,6 sollte das Ganze dann noch sehr scharf sein. Die Werte der Messungen bei offeneren Blenden erlauben zumindest begrenzt den R\u00fcckschluss, dass die Blende des Objektives nicht 100%ig rund ist. Das tut der Leistung dieser Optik allerdings keinen Abbruch. Denn die ist wirklich gut.<\/p>\n<p>Wie geschrieben, sind die Aufnahmebedingungen f\u00fcr ein Objektiv dieser Klasse eher ung\u00fcnstig gew\u00e4hlt. Ihre optimale Abbildungsqualit\u00e4t erreichen die allermeisten Objektive erst bei kleineren Abbildungsmasst\u00e4ben ab etwa 1:100, wenn es keine Makros sind.<\/p>\n<p>Wenn man jetzt noch die Qualit\u00e4t am Bildrand und in den Ecken ermitteln will, muss man nur den Bildausschnitt entsprechend anw\u00e4hlen.<\/p>\n<p><strong>Vor allem immer daran denken:<\/strong> Diese Art Test ist nicht als wissenschaftlich anzusehen und durch die manuelle Vorgehensweise auch nicht objektiv. Es auf diesem Weg ist nur m\u00f6glich die &#8222;qualitative Marschrichtung&#8220; eines Objektives zu bestimmen. Man kann damit\u00a0 eventuell absoluten Schrott und grobe Fertigungsfehler entdecken, aber keine kleineren Fehler.<\/p>\n<p>Zudem gibt es als Grenze immer das Aufl\u00f6sungsverm\u00f6gen des Sensors in der Kamera und die Beschr\u00e4nkungen durch eventuell eingebaute AA- Filter vor den Sensoren einer Kamera. Bei der X-Pro 1 ist das nicht der Fall, bei einer Leica auch nicht. Auch aus dieser Richtung kann es passieren, dass ein Objektiv seine maximale Aufl\u00f6sung nicht erreichen kann. Kamera und Objektiv m\u00fcssen also auch zusammenpassen. Und damit sind diese Arten von Tests nur f\u00fcr genau ein Kameramodell aussagekr\u00e4ftig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grunds\u00e4tzlich gilt in der Fotografie eine Regel: Das beste Ger\u00e4t zum Fotografieren ist das, das man gerade dabei<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-98","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fototipps"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.klicklack.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/98","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.klicklack.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.klicklack.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klicklack.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klicklack.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=98"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.klicklack.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/98\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4475,"href":"https:\/\/www.klicklack.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/98\/revisions\/4475"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.klicklack.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=98"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klicklack.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=98"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klicklack.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=98"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}